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Merken   Drucken   25.01.2011, 21:18 Schriftgröße: AAA

Demonstrationen in Nordafrika: Tote bei Protesten in Ägypten

Nach 30 Jahren an der Macht will Ägyptens Präsident Mubarak die Macht an seinen Sohn übergeben. Die Bürger wollen sich diese Dynastie nicht gefallen lassen und reagieren mit Gewalt. Drei Menschen sind dabei ums Leben gekommen.
Bei den Protesten gegen die ägyptische Regierung hat es am Dienstag Tote gegeben. Nach Angaben des Innenministeriums wurden zwei Demonstranten und ein Polizist kamen ums Leben.
Zum ersten Mal seit dem Amtsantritt von Präsident Husni Mubarak vor 30 Jahren hatten Tausende Ägypter offen gegen die Machthaber in ihrem Land protestiert. In der Hauptstadt Kairo riefen Demonstranten am Dienstag "Nieder, nieder mit Husni Mubarak" und lieferten sich Straßenschlachten mit der Polizei. Die Beamten setzten Wasserwerfer und Tränengas ein. Sicherheitskreisen zufolge wurden 15 Personen festgenommen. In Tunesien war Mitte Januar der Präsident nach wochenlangen Protesten aus dem Amt gedrängt worden. Wie dort beklagen viele Ägypter hohe Lebensmittelpreise, Armut, Arbeitslosigkeit und eine autoritäre Regierung.
Bei einer Demonstration in Ägyptens Hauptstadt Kairo schießt die ...   Bei einer Demonstration in Ägyptens Hauptstadt Kairo schießt die Polizei mit Tränengas auf Demonstranten
Auch in anderen ägyptischen Städten kam es zu Zusammenstößen, etwa in der Hafenstadt Alexandria. In Kairo bewarfen Demonstranten Einsatzkräfte mit Flaschen und Steinen. "Das ist der Freiheitsmarsch, auf den ich mein ganzes Leben lang gewartet habe", sagte ein 25-Jähriger in Kairo. Vor den Protesten wurde im Internet zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen.
Die Wucht der Demonstrationen ist für Ägypten ungewöhnlich, wo sich normalerweise nur mehrere Hundert Menschen zu Aktionen versammeln. Es handelt sich um die heftigsten Proteste seit dem Amtsantritt Mubaraks 1981. Sie richteten sich auch gegen seinen Sohn Gamal, der als Nachfolgekandidat gilt.
"Mubarak, Saudi-Arabien erwartet dich"
Das Innenministerium hatte angekündigt, gegen alle illegalen Handlungen vorzugehen und den Demonstranten mit Festnahmen gedroht. Innenminister Habib al-Adli sagte aber einer amtlichen Zeitung, kurze Proteste seien willkommen, wenn sie an einem Ort stattfänden. Ein Mitarbeiter der Sicherheitskräfte berichtete von einem Befehl, Zusammenstöße mit Demonstranten zu vermeiden.
In Tunesien hatte sich Präsident Zine el-Abidine Ben Ali dem Druck der Straßenproteste gebeugt und war nach Saudi-Arabien geflohen. In Kairo riefen einige Demonstranten: "Mubarak, Saudi-Arabien erwartet dich." Der Sturz Ben Alis nach mehr als zwei Jahrzehnten an der Macht hat die arabische Welt elektrisiert, wo viele Menschen unter Arbeitslosigkeit und steigenden Preisen leiden.
Die zugelassenen Oppositionsparteien in Ägypten sind schwach und zerstritten. Die offiziell verbotene Muslimbruderschaft, die gemeinsame Wurzeln mit der radikal-islamischen Hamas hat, rief ihre Anhänger nicht zur Teilnahme an den Protesten auf. Allerdings würden sich einige Mitglieder als Bürger daran beteiligen.
US-Außenministerin Hillary Clinton  rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf. Die ägyptische Regierung sei stabil und prüfe Maßnahmen, wie die Wünsche der Bürger erfüllt werden könnten, sagte sie in Washington. Die USA sind ein wichtiger Verbündeter Ägyptens.
  • Reuters, 25.01.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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