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Merken   Drucken   23.08.2012, 11:18 Schriftgröße: AAA

Details zum Sicherheitsgewerbe: So werden Schiffe vor Piraten geschützt

Wie sicher sind Schiffe vor Somalia mit Security an Bord - und wie schützen Sicherheitsdienste deutsche Schiffe vor Piratenangriffen? Ein Prozess vor dem Hamburger Arbeitsgericht gab seltene Einblicke in die Praxis.
© Bild: 2009 AFP
Wie sicher sind Schiffe vor Somalia mit Security an Bord - und wie schützen Sicherheitsdienste deutsche Schiffe vor Piratenangriffen? Ein Prozess vor dem Hamburger Arbeitsgericht gab seltene Einblicke in die Praxis.
von Hamburg

Und plötzlich ist die Waffe weg. Eben noch liegt sie auf der Couch auf der Brücke des Containerschiffs "Hansa Liberty". Dann steht der Sicherheitsmann Frank E. ohne Pistole da. Im Piratengewässer vor der Küste Ostafrikas. Einen Tag später ist er auch seinen Job los, sein Arbeitgeber IBS - Internationale Bodyguard- & Sicherheitsagentur kündigt ihm fristlos.

Marinesoldaten, wie hier von der Fregatte "Karlsruhe", ...   Marinesoldaten, wie hier von der Fregatte "Karlsruhe", reichen derzeit für den Schutz der Schiffe nicht aus

Am Mittwoch war der Fall Thema im Hamburger Arbeitsgericht. Vordergründig ging es in Saal 324 um Kündigungsfrist, Arbeitszeugnis und Urlaubstage. Hintergrund waren die großen Fragen der Piratenwehr: Sind bewaffnete Söldner ein Risiko? Können Waffen an Bord sicher verwahrt werden? Wer überwacht Sicherheitsleute? Und welche Gesetze gelten?

Die "Hansa Liberty" ist ein kleines Containerschiff. Am Heck weht die deutsche Flagge, sie gehört der Hamburger Reederei Hansa Shipping. Ihre Bordwände sind niedrig, besonders schnell fährt sie nicht. Sie ist ein leichtes Opfer, ohne Sicherheitsleute an Bord wagt sie sich nicht vor das Horn von Afrika.

So wie sie machen es fast alle: Durch die Piratengewässer fährt kaum noch ein Schiff ohne Waffen. Im Schnitt zahlen Reeder für einen zehntägigen Einsatz rund 100.000 Euro . Das hat Konsequenzen: Die Attacken sinken. Im ersten Halbjahr 2012 haben Reeder 177 Piratenangriffe gemeldet - ein Rückgang von 33 Prozent. Doch mit den Söldnern kommen neue Risiken. "Eine sichere Unterbringung von Waffen an Bord gibt es einfach nicht", sagt ein Sicherheitsberater.

Mit Kollegen und dem Teamleiter ist Frank E. an Bord der "Hansa Liberty". Jeder hat Pistole und Gewehr dabei, nach der Schicht liegen sie auf der Brücke, die Tür ist offen. "Das ist völlig üblich", sagt der Experte. Nach deutschem Waffenrecht müssten die Pistolen in einem Tresor lagern. IBS-Chef Horst Rütten gibt zu: "Es ist logistisch gar nicht darstellbar, auf jedes Schiff einen Tresor zu bringen", sagt er vor Gericht. Seine Leute sollen die Waffen am Mann haben, "bis unter die Dusche und aufs Klo". Weil Frank E. die Pistole nach der Schicht nicht mitnimmt, kündigt Rütten fristlos. Er wolle die Standards seiner Firma hochhalten, sagt er.

Niemand kennt die Standards genau

Wie hoch die Standards von IBS wirklich sind, das weiß niemand genau. Bislang kann niemand die rund 200 Sicherheitsfirmen beurteilen, weder die unbekannten wie IBS, ISN oder Sec4, noch die bekannten wie Academi, den Nachfolger des umstrittenen US-Söldnerkonzerns Blackwater. "Es ist manchmal schwer, die Firmen auseinanderzuhalten", sagt der Hamburger Reeder Frank Leonhardt.

Die Bundesregierung will ab Mitte 2013 über das Bundesamt für Ausfuhrkontrolle und die Bundespolizei das Sicherheitspersonal zertifizieren. Das staatliche Gütesiegel ist für Schiffe unter deutscher Flagge verpflichtend. Doch es gibt keine Gesetze, die auf die Realitäten auf Frachtern vor Somalia passen, sagt der Berater. "Und was wirklich auf den Schiffen passiert hat mit den Regeln sowieso nichts zu tun." Frank E. und IBS haben einen Vergleich geschlossen. Er will sich einen neuen Job als Sicherheitsmann gegen Piraten suchen. Wo seine Waffe ist, weiß bis heute niemand.

  • Aus der FTD vom 23.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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