"Man wird in den kommenden Tagen natürlich noch vorsichtiger sein", sagte Reinhard Avemann von der Deutsch-Arabischen Industrie- und Handelskammer (DAIHK) am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. An der Einstellung der Unternehmen werde der Vorfall aber nichts ändern. "Wenn man sich jetzt aus dem Irak zurückzieht, dann waren alle Bemühungen hier umsonst." Viele Beschäftigte nähmen die im Irak herrschenden Gefahren in Kauf.
"Eine Geiselnahme ist das Schlimmste, was passieren kann. Das hat nicht nur firmeninterne Folgen, sondern beschäftigt auch die Politik", sagte Avemann, der im jordanischen Amman für die DAIHK-Tocher German Industry and Commerce das Irak-Geschäft für deutsche Unternehmen vorbereitet. Die deutschen Firmen versuchten aus Sicherheitsgründen, möglichst unbemerkt im Irak zu arbeiten und politische Aufmerksamkeit zu vermeiden, wie sie jetzt durch die Entführung erzeugt werde. "Keine Firma will, dass bekannt wird, dass sie hier ist."
Seinen Angaben zufolge arbeiten die Deutschen - zumeist Führungskräfte und Ingenieure - unter schwierigen Sicherheitsbedingungen in der Krisenregion. "Das größte Problem ist, dass man sich hier nicht frei bewegen kann. Man muss immer mit allem rechnen", sagte Avemann. "Die Beschäftigten versuchen, sehr viel über technische Kommunikation zu regeln ohne sich selbst zu zeigen - persönliche Kontakte minimieren sie auf das Notwendigste. Man muss vor allem vermeiden, regelmäßig zur selben Zeit am selben Ort zu sein."
Auch ein steter Kontakt mit den deutschen Behörden biete ein wenig Sicherheit: "Es besteht ein direkter Kontakt. Viele Beschäftigte informieren die Botschaft, zu welcher Zeit sie sich an welchem Ort aufhalten."