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Merken   Drucken   10.06.2009, 13:57 Schriftgröße: AAA

Deutsches Erfolgsmodell: Exportschlager Abwrackprämie  

Frankreich, Japan und nun auch die USA: Die deutsche Abwrackprämie für Neuwagen findet weltweit immer mehr Nachahmer. FTD.de zeigt, mit welchen Kaufanreizen die Regierungen die Verbraucher stimulieren wollen. von Birgit Marschall und Martin Kaelble (Berlin)
Andere Staaten, etwa Großbritannien oder Spanien, zeigten sich beeindruckt vom explosionsartigen Anstieg der Kfz-Neuzulassungen in Deutschland seit Jahresbeginn. Nach einer aktuellen Schätzung der Volkswirte der Dekabank erreichten die privaten Pkw-Neuzulassungen im laufenden Jahr bis Ende Mai in Deutschland schon 94 Prozent des gesamten letzten Jahres.
Die Abwrackprämie geht um die Welt - noch nie in der Industriegeschichte griffen so viele Staaten zum gleichen konjunkturpolitischen Instrument. In Europa haben inzwischen Großbritannien, Frankreich, Spanien, Italien, Österreich und viele kleinere Länder solche Verschrottungsanreize eingeführt. Auch die US-Regierung plant eine Abwrackprämie in Höhe von 4500 $ (3250 Euro) , allerdings hat der Senat noch nicht zugestimmt. In Japan fördert der Staat nicht nur den Kauf von Neuwagen, sondern auch den von Kühlschränken, Klimaanlagen und Flachbildschirmen. Und auch in China gibt es großzügige Boni oder Steuernachlässe beim Kauf von Neuwagen und anderen heimischen Produkten.
"Eine solche globale Abwrackaktion hat es wohl noch nie gegeben", sagte Alexander Koch, Volkswirt bei Unicredit in München. "Das ist inspiriert vom deutschen Erfolg. Es gibt jetzt viele Nachahmer", sagte Andreas Scheuerle von der Dekabank. Einige Länder hatten Abwrackprämien zwar schon in den letzten Jahren erprobt. Frankreich etwa hatte die Prämie zweifach ausprobiert, auch Spanien und Italien versuchten immer wieder, die heimische Autonachfrage anzukurbeln. Das französische Beispiel hatte die Deutschen schließlich im letzten Herbst auf die Idee gebracht, die Prämie selbst zu testen. Doch erst der überwältigende deutsche Erfolg der Prämie - gemessen an den Neuzulassungen in den ersten Monaten des laufenden Jahres - überzeugte den Rest der Welt davon, jetzt so rasch wie möglich gleichzuziehen.
Über Sinn und Unsinn der Prämie wird unter Ökonomen gestritten - doch eines gestehen mittlerweile selbst die Gegner ein: Die Subvention hat die deutsche Industrieproduktion genau zu der Zeit wirkungsvoll gestützt, als die Weltwirtschaftskrise ihre tiefsten Spuren hinterließ. Das erste Vierteljahr 2009 war das schlimmste in der Nachkriegsgeschichte. Ohne die Prämie wäre das Minus noch viel größer ausgefallen. Im März stützte sie allein die Industrieproduktion um zwei Prozentpunkte, so die Dekabank. Insgesamt ergab sich ein leichtes Plus von 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat, das viele überraschte.
Im April sank die Industrieproduktion dagegen deutlich um 1,9 Prozent, wie das Statistische Bundesamt gestern mitteilte. Vor allem die Herstellung im Automobilsektor schrumpfte bedrohlich um 9,1 Prozent - trotz der Prämie. Gut möglich, dass deren positive Wirkung bereits etwas nachgelassen habe, doch Volkswirte erklärten den Produktionseinbruch im Automobilsektor vor allem mit anderen Faktoren: Die vielen Feiertage im April und der Einsatz von Kurzarbeit hätten die Daten nach unten verzerrt. Zudem überzeuge die staatliche Zahlung vor allem Kleinwagenkäufer, die weiterhin beherzt zugriffen. Da diese Autos jedoch besonders preisgünstig seien, schlage sich der Absatzerfolg im Produktionsvolumen insgesamt weniger nieder, sagte Commerzbank-Experte Ralph Solveen.
Auch im Mai dürfte die Prämie noch positiv auf den Neuwagenabsatz wirken. Im vergangenen Monat seien die Neuzulassungen nochmals um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat in die Höhe geschnellt, berichtete der Verband der Automobilindustrie (VDA). Die Fertigung im Automobilsektor habe im Mai um 19 Prozent höher gelegen als im Vormonat.
Für die nächsten Monate erwarten Volkswirte ein allmähliches Abflachen der Nachfrage. Gegen Jahresende werde es dann zu einem "negativen Rückpralleffekt" kommen, erklärte Scheuerle. Frankreich habe eineinhalb Jahre gebraucht, um die Vorzieheffekte seiner letzten Abwrackaktion aufzuholen. Erst danach hätten die Neuzulassungen wieder das alte Niveau erreicht. Die meisten Käufer hätten sich nicht wegen des Zuschusses ein neues Auto gekauft, sondern den ohnehin geplanten Kauf nur vorgezogen. Zudem gehe durch die Prämie Volksvermögen verloren, denn die verschrotteten Autos seien nicht wertlos gewesen. "Ich sehe die Prämie mit einem lachenden und einem weinenden Auge", resümierte Koch von Unicredit. Allerdings falle sein Urteil unterm Strich doch eher positiv aus, denn: "In der tiefsten Krise ist man über jede Hilfe froh."
Die Beschäftigungsbilanz der Prämie falle positiv aus, errechnete Willi Diez, Chef des Instituts für Automobilwirtschaft an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt in Nürtingen-Geislingen. Per saldo blieben 15.000 Arbeitsplätze bei Herstellern und Zulieferern am Standort Deutschland erhalten.
Wie erfolgreich auch andere Länder bei der Ankurbelung der Autonachfrage sind, zeigt das Beispiel China: Dort erreichte der Fahrzeugabsatz im Mai dank staatlicher Subventionen den höchsten Stand seit Februar 2006. Im Jahresvergleich ergab sich eine Steigerung von 47 Prozent, wie die Branchenvereinigung chinesischer Autohersteller berichtete. China habe damit seine Position als führender Automarkt vor den USA ausgebaut.

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