Das Label Made in Germany ist begehrt auf dem Weltmarkt. Nicht nur für Maschinen oder Autos, auch ein deutscher Manager findet leichter eine Anstellung als einer aus der Türkei oder Südafrika. Zu diesem Schluss kommt Marketingexperte Simon Anholt, der mit Hilfe des Marktforschungsinstituts Global Market Insite den Wert der Marke Deutschland ermittelt hat.
Mit der Studie, die am heutigen Dienstag veröffentlicht wird und deren Ergebnisse der FTD vorab vorliegen, ermittelt Anholt die Summe, die das Markenimage zum zukünftigen Bruttoinlandsprodukt eines Landes beiträgt. Rund 4582 Mrd. $ (3836 Mrd. Euro) müsste Deutschland danach für die Marke Made in Germany zahlen, wenn das Land die Lizenz für das Label von einer dritten Partei erstehen müsste. Das entspricht 167 Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts (BIP), so das Ergebnis der Studie.
"Coca-Cola oder Nike wissen, was ihre Marke wert ist", sagt Anholt, der Regierungseinrichtungen zu Marketingstrategien für Länder, Regionen und Städte berät. "Ihre Marke ist ihr wertvollstes Eigentum, denn der Name Coca-Cola oder Nike weckt bei den Kunden Vertrauen", sagt Anholt.
Image erheblicher Einfluss auf die Wertschätzung
Der Wert solcher Unternehmensmarken wird bereits seit vielen Jahren ermittelt. Jetzt haben Anholt und Global Market Insite erstmals den Markenwert einzelner Länder berechnet. Denn das Image eines Landes hat erheblichen Einfluss auf die Wertschätzung - sei es nun von Gütern, Reisezielen, Politik, Kultur, Investitionsstandorten oder Mitarbeitern. "Ein identisches Produkt könnte mit dem Stempel Made in Germany viel teurer verkauft werden als mit dem Aufdruck Made in China", sagte Anholt.
Am meisten Geld lässt sich jedoch mit Made in USA machen. Der Markenwert beläuft sich laut Anholt auf 17.893 Mrd. $. Auch die japanische Marke ist sehr gefragt. Der Wert beläuft sich auf 6205 Mrd. $.
Die deutsche Marke ist nach den USA und Japan immerhin das gefragteste Label weltweit. Großbritannien belegt mit 3475 Mrd. $ Platz vier, gefolgt von Frankreich mit einem Markenwert von 2922 Mrd. $ und Italien mit 2811 Mrd. $. Den letzten Platz der 35 untersuchten Länder belegt Polen. Für Made in Poland gibt es gerade einmal mit 43 Mrd. $.
Meinungsumfrage sowie erwartete Wirtschaftsleistung
Berechnet hat Anholt den Wert mit Hilfe einer Meinungsumfrage zum Image der einzelnen Ländern sowie der erwarteten zukünftigen Wirtschaftsleistung. Insgesamt wurden 25.907 Personen aus 35 Ländern befragt. Sie sollten ihre Einschätzung über Kultur, Politik, Wirtschaft und Bevölkerung, Investitionspotenzial und touristische Anziehungskraft des eigenen Landes und der anderen Länder abgeben.
Gute Noten bekam Deutschland im Bildungsbereich und für seinen Beitrag zur Innovation in Wissenschaft und Technik. Bei beiden Aspekten belegte Deutschland den dritten Platz. Die USA lagen in puncto Bildung vorn, Japan bei Innovationsfähigkeit. In der Studie hat Anholt ferner das sportliche Ansehen der Länder untersucht. Hier liegt Deutschland ebenfalls auf Rang drei hinter den USA und Russland. "Wie erfolgreich eine Nationalmannschaft bei internationalen Wettkämpfen ist, beeinflusst auch die Meinung, die andere Nationen über das Land, seine Leute, ihre Werte und Leistungen haben", meint der Marketingexperte. Folglich könnte auch die WM einen positiven Einfluss auf das Image des Gastgeberlandes Deutschland haben.
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