Bilderserie: Apokalypse in New Orleans
Bürgermeister Bill White weiß nicht, wie er das finden soll. Letzte Woche warnte er seine Bürger, dass die Einwanderung der Hunderttausenden "tiefgreifende Folgen" für die Stadt haben werde. Präsidentenmutter Barbara Bush sprach nach einem Rundgang durch das größte Flüchtlingslager des Landes, den Astrodome, aus, was viele denken: "Furcht erregend" findet die Matriarchin, dass die meisten Flüchtlinge bleiben wollten: "So viele von diesen Leuten waren ohnehin unterprivilegiert. Für sie läuft das doch alles sehr gut."
Makel blutrünstiger Gewalt
Die Mehrheit der Bürger von Houston zeigt sich großzügiger: Tausende haben gespendet und tagelang im Astrodome geholfen, Tausende haben Flüchtlinge aufgenommen. Houstons Schulen unterrichten Tausende neue Schüler. Die Tageszeitung "Houston Chronicle" publiziert einen seitenlangen Informationsteil nur für "Katrina"-Opfer. Doch selbst der "Chronicle" stellt fest, dass sich "die Gastfreundschaft langsam abnutzt".
Schließlich war das Ansehen von New Orleans im puritanischen, überwiegend weißen Texas stets miserabel: Die Stadt galt als unmoralisch, arm, schwarz und kriminell. Mehr als bestätigt sehen sich viele Südstaatler nun durch die Schreckensnachrichten aus der zerstörten Stadt. Seit "Katrina" haftet an den Flüchtlingen der Makel blutrünstiger Gewalt.
Zwar haben sich die angeblichen Morde und Vergewaltigungen meist als übertriebene Gerüchte entpuppt - doch die neuen Nachbarn der New Orleanser sorgen vor: Waffenhändler in Texas melden, sie hätten in der letzten Woche mehr Revolver, halbautomatische Waffen und Schrotflinten verkauft als sonst im ganzen Jahr. Dabei bleibt der befürchtete Anstieg der Kriminalität aus, in Houston ist sie sogar in den vergangenen Wochen leicht gesunken.
Offen beschweren sich über die Flüchtlinge nur Arme und Arbeitslose: Große Arbeitgeber wollen Bewerbungen von "Katrina"-Opfern vorziehen, und auch Sozialwohnungen sollen sie bevorzugt erhalten. Etliche Houstoner geben sich nun als Hurrikan-Flüchtlinge aus, um sich Vorteile zu erschleichen.