FTD.de » Politik » International » Die Gastfreundschaft schwindet
  FTD-Serie: Spur der Verwüstung

Hurrikan "Katrina" hat mit seiner Wucht im Süden der USA ganze Städte ausgelöscht, tausende Menschen kamen ums Leben. Der Schaden ist gigantisch. Alle Nachrichten, Bilderserien und Hintergründe hier auf einen Blick.

Merken   Drucken   13.09.2005, 10:25 Schriftgröße: AAA

Die Gastfreundschaft schwindet

Die Hilfsbereitschaft vieler Bürger nach dem Hurrikan ebbt langsam ab, Städte wie Houston fürchten mittlerweile, dass die Flüchtlinge aus New Orleans und Umgebung nie wieder abziehen. Präsident Bush bereist derweil auf der Jagd nach besseren Umfragewerten erneut die Katastrophenregion - und vergibt Aufträge an befreundete Unternehmer. von Eva Busse, Houston
Trotz "Katrina" auf die Schulbank: Ein Flüchtlingskind ...   Trotz "Katrina" auf die Schulbank: Ein Flüchtlingskind aus New Orleans unterwegs zur Douglass Elementary School in Houston
Nirgendwo wird "Katrina" so leidenschaftlich beklagt wie in "Sammy's Bar". Seit dem Hurrikan ist "Sammy's" der angesagteste Nachtclub Houstons. Hier tritt Kermit Ruffins auf, einer der größten Jazzmusiker des überfluteten New Orleans, der vor dem Sturm nach Houston geflohen ist. Er haucht heiser in die Menge: "I love you, Houston!" Das Publikum brüllt zurück: "We love you, New Orleans!"
Nicht alle Hurrikan-Flüchtlinge, die in Houston gestrandet sind, sorgen für so gute Stimmung wie Kermit Ruffins. Keine Stadt muss mit so vielen Obdachlosen fertig werden wie die Hauptstadt von Texas; auf bis zu 200.000 wird ihre Zahl geschätzt. Sie haben keine Wohnung, kein Auto, kein Geld, keine Arbeit - und werden aller Voraussicht nach bleiben. Denn falls ihre Stadt überhaupt wieder aufgebaut wird, wird es Jahre dauern.
Bilderserie: Apokalypse in New Orleans
Bürgermeister Bill White weiß nicht, wie er das finden soll. Letzte Woche warnte er seine Bürger, dass die Einwanderung der Hunderttausenden "tiefgreifende Folgen" für die Stadt haben werde. Präsidentenmutter Barbara Bush sprach nach einem Rundgang durch das größte Flüchtlingslager des Landes, den Astrodome, aus, was viele denken: "Furcht erregend" findet die Matriarchin, dass die meisten Flüchtlinge bleiben wollten: "So viele von diesen Leuten waren ohnehin unterprivilegiert. Für sie läuft das doch alles sehr gut."
Makel blutrünstiger Gewalt
Die Mehrheit der Bürger von Houston zeigt sich großzügiger: Tausende haben gespendet und tagelang im Astrodome geholfen, Tausende haben Flüchtlinge aufgenommen. Houstons Schulen unterrichten Tausende neue Schüler. Die Tageszeitung "Houston Chronicle" publiziert einen seitenlangen Informationsteil nur für "Katrina"-Opfer. Doch selbst der "Chronicle" stellt fest, dass sich "die Gastfreundschaft langsam abnutzt".
Schließlich war das Ansehen von New Orleans im puritanischen, überwiegend weißen Texas stets miserabel: Die Stadt galt als unmoralisch, arm, schwarz und kriminell. Mehr als bestätigt sehen sich viele Südstaatler nun durch die Schreckensnachrichten aus der zerstörten Stadt. Seit "Katrina" haftet an den Flüchtlingen der Makel blutrünstiger Gewalt.
Zwar haben sich die angeblichen Morde und Vergewaltigungen meist als übertriebene Gerüchte entpuppt - doch die neuen Nachbarn der New Orleanser sorgen vor: Waffenhändler in Texas melden, sie hätten in der letzten Woche mehr Revolver, halbautomatische Waffen und Schrotflinten verkauft als sonst im ganzen Jahr. Dabei bleibt der befürchtete Anstieg der Kriminalität aus, in Houston ist sie sogar in den vergangenen Wochen leicht gesunken.
Offen beschweren sich über die Flüchtlinge nur Arme und Arbeitslose: Große Arbeitgeber wollen Bewerbungen von "Katrina"-Opfern vorziehen, und auch Sozialwohnungen sollen sie bevorzugt erhalten. Etliche Houstoner geben sich nun als Hurrikan-Flüchtlinge aus, um sich Vorteile zu erschleichen.
  • Aus der FTD vom 13.09.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Massaker in Syrien: Russen, bewegt euch endlich

    Russland stand bisher fest an der Seite des Assad-Regimes. Ob mit Waffen oder mit politischer Rückendeckung, Syrien konnte auf die Russen zählen. Das sollte Moskau schleunigst ändern. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote