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Merken   Drucken   01.04.2005, 17:24 Schriftgröße: AAA

Die Italiener setzen bei der Papstwahl auf einen der ihren  

Die Zusammensetzung des Konklave macht einen weiteren "Ausländer" als Papst unwahrscheinlich. Allerldings gibt es einige Kandidaten. von Tony Barber, Rom
Die 117 Kardinäle, die den Nachfolger von Johannes Paul II. wählen, haben mächtige Unterstützung, denn gemäß der römisch-katholischen Doktrin werden sie vom Heiligen Geist geleitet.
Dennoch treffen sie natürlich eine politische Entscheidung, bei der eine der kleinsten Wählerschaften über einen der wichtigsten Posten der Welt abstimmt. Wie Kardinal Joseph Ratzinger einmal sagte, könnte das erklären, warum es so viele Päpste gab, die der Heilige Geist sicherlich nicht gewollt hätte.
25 Jahre lang hat der erste nicht-italienische Papst seit dem frühen 16. Jahrhundert regiert. Die 21 italienischen Prälaten, das größte nationale Kontingent der Stimmberechtigten, würden gerne wieder jemand aus den eigenen Reihen ins Amt wählen, nehmen viele Vatikan-Experten an.
Europäische Kompromisskandidaten
Am häufigsten fällt zurzeit der Name von Kardinal Dionigi Tettamanzi. Mit dem 70-jährigen Erzbischof von Mailand könnten viele gut leben: Einerseits steht der kleine rundliche Erzbischof von Mailand der einflussreichen konservativen Katholikenorganisation Opus Dei nahe. Das wäre vor allem dann ein Pluspunkt, wenn die Kardinäle die Rechristianisierung Europas als Priorität für die nächsten Jahre definieren sollten. Andererseits ist Tettamanzi nicht nur ein Kandidat der Hardliner: Beim G-8-Gipfel in Genua 2001 machte sich der Papstanwärter zum Sprachrohr der Globalisierungsgegner.
Eine weitere Möglichkeit ist Kardinal Giovanni Battista Re, Präfekt der Kongregation für die Bischöfe. Der 70-jährige Lombarde weiß bestens Bescheid über die Abläufe in der Kurie, dem Verwaltungsapparat des Kirchenstaats. Re dürfte Zulauf von Kardinälen erhalten, die eine Reform der Kurie fordern. Andere könnten ihn gerade wegen seiner Insider-Position ablehnen. Er gilt als einer der engsten Vertrauten von Johannes Paul II., den er sogar auf Privatreisen in die Alpen begleitete.
Aus Europa gilt ansonsten noch der 59-jährige Wiener Kardinal Christoph Schönborn als Kompromiss zwischen den italienischen und den europäischen Kardinälen auf der einen, den Kardinälen aus Nord- und Lateinamerika sowie aus Afrika auf der anderen Seite. Gegen ihn könnte sprechen, dass er noch verhältnismäßig jung ist - ein Jahr älter als Johannes Paul II. bei seiner Wahl war. Ältere Kardinäle könnten dagegen sein, dass der nächste Papst die Kirche so lange dominiert wie sein Vorgänger.
US-Amerikaner ohne Chance
Blickt man über die Grenzen Europas hinaus ist nur klar, dass kein Kardinal aus den USA eine Chance hat, zum Papst gewählt zu werden. "Selbst der kleinste Anschein, in irgendeiner Form von der einzigen Supermacht der Welt abhängig zu sein, wäre dem Auftrag der Kirche nicht förderlich", sagt Kardinal Francis George aus Chicago.
Größere Chancen hätte ein Papst aus Lateinamerika. Die Region stellt rund 44 Prozent der einen Milliarde Katholiken weltweit. Oscar Andrés Rodríguez Maradiaga, Erzbischof von Tegucigalpa, gilt als ein Kandidat, ebenso Norberto Rivera Carrera, Erzbischof von Mexiko-Stadt.
Gegen sie sprechen die Aufgaben, die vor dem nächsten Papst liegen. Nach Ansicht vieler Vaticanisti dürften die wichtigsten Themen für die Kirche und die Welt das Verhältnis zwischen Christentum und Islam sein sowie die Zukunft des Nahen Ostens - Themen, mit denen ein Lateinamerikaner wenig Erfahrung hat.
Viel Aufmerksamkeit für einen Afrikaner
Aus diesem Grund erhält ein Afrikaner viel Aufmerksamkeit, der 71-jährige Francis Arinze. Der Kardinal stammt aus Nigeria, einem Land, in dem Christentum mit islamischen Traditionen kombiniert wird. Er hat also praktisch "Fronterfahrung" im Umgang mit anderen Weltreligionen. Arinze gilt als theologischer Konservativer, was einigen Kardinälen in der Konklave gefallen dürfte. Zugleich wäre er der erste schwarze Papst, was die Fraktion ansprechen sollte, die der Kirche ein stärker in die Zukunft gerichtetes Image verleihen wollen.
Die nationale Verteilung in der Konklave und die Erfahrung aus 2000 Jahren sprechen allerdings gegen Arinze. Nach dem Polen Johannes Paul II. ist es schwer vorstellbar, dass die italienischen Kardinäle gleich wieder einen "Ausländer" ins höchste Amt der Kirche lassen.
  • FTD.de, 01.04.2005
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