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Merken   Drucken   01.08.2006, 10:29 Schriftgröße: AAA

Die Kreml AG  

Russland hat den Weg zur Marktwirtschaft verlassen. Präsident Wladimir Putin bringt mit Hilfe enger Mitarbeiter die wichtigsten Branchen des Landes wieder unter staatliche Kontrolle. von Nils Kreimeier (Berlin)
Der Kreml bei Nacht   Der Kreml bei Nacht
Als Russlands Führung Mitte Juli zum Gipfel der führenden Industrienationen (G8) lud, ließen die Gastgeber keine Gelegenheit aus, sich zum Prinzip des Marktes zu bekennen. "Mein Ziel ist es, den demokratischen und marktwirtschaftlichen Prozess unumkehrbar zu machen", versicherte Präsident Wladimir Putin. Sein Berater Igor Schuwalow sagte der FTD, es gehe in seinem Land "nicht um mehr staatlichen Einfluss. Alles sollte auf Marktmechanismen basieren, und der Staat sollte nur den rechtlichen Rahmen bereitstellen".
Putins ausländische Staatsgäste hörten derartige Bekenntnisse mit Wohlgefallen - immerhin war Moskau die Mitgliedschaft in dem elitären Klub einst auch mit dem Ziel gewährt worden, interne Reformen zu fördern.
Doch Kreml-Kritiker, aber auch neutrale Beobachter sehen Russland auf dem entgegengesetzten Weg. Mit der endgültigen Auflösung des Ölkonzerns Yukos, über die am Dienstag in Moskau entschieden wird, scheint die Ära von Privateigentum und freiem Spiel der Marktkräfte ihrem Ende zuzugehen. "Staatliche Eingriffe in der Wirtschaft und die Zentralisierung der Entscheidungsfindung haben im vergangenen Jahr zugenommen", schreibt die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (EBRD) in ihrem jüngsten Russlandbericht. Die Rating-Agentur Standard & Poor's stellte in einer Studie fest, dass der Einfluss des Kreml in den 54 größten russischen Unternehmen rapide zunimmt. Der staatliche Anteil an deren Marktkapitalisierung stieg danach allein im Jahr 2005 von 18 auf 24 Prozent.
Staat weitet Zugriff aus
Der Zugriff von oben beschränkt sich dabei längst nicht mehr auf Energiekonzerne wie Gasprom. Auch in der Autoindustrie, im Maschinenbau, in der Flugzeugproduktion und bei der Ausbeutung der Bodenschätze Russlands weitet der Staat seinen Einfluss aus. Zum ersten Mal seit acht Jahren ging der Anteil des Privatsektors am Bruttoinlandsprodukt im vergangenen Jahr zurück.

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