Wie aus der Vogelgrippe eine Pandemie werden kann
In beiden Ländern wurden am Wochenende Tausende Vögel getötet, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Für Deutschland sah die Bundesregierung keine unmittelbare Gefahr. Nachdem bereits in Russland und Kasachstan Vögel infiziert wurden, hat die Seuche damit ihre Reise Richtung Westeuropa fortgesetzt. In Asien sind bisher mehr als 60 Menschen an einer Vogelgrippe-Infektion gestorben.
In Rumänien war am Sonntag dennoch von "Glück im Unglück" die Rede. Weil es im Donau-Delta, dem größten Vogelbrutgebiet Europas, frühzeitig kalt geworden ist, sind etliche Zugvögel schon nach Afrika weitergeflogen. Wandernde Kolonien gelten als der größte Überträger.
Zudem gingen die Behörden davon aus, dass der festgestellte Erreger möglicherweise weniger gefährlich sein könnte als angenommen. Wissenschaftler hätten das bei den Vögeln vermutete Virus bislang nicht isolieren können, sagte Landwirtschaftsminister George Flutur gestern. Je länger sie dafür benötigten, desto mehr deute dies auf eine harmlosere Variante hin.
Notschlachtungen angeordnet
Nachdem am Freitag einheimische Enten positiv auf den Erreger der Vogelgrippe getestet worden waren, reagierte die Regierung in Bukarest mit Notschlachtungen. Bis Samstagabend waren fast 500 Hühner, Gänse, Puten und Schwäne getötet worden. Auch die Jagd von Wildgänsen, die sonst im Oktober gestattet ist, wurde verboten. Acht verstreut im Donau-Delta liegende Ortschaften wurden unter Quarantäne gestellt. Für die Bevölkerung ist die einzige Alternative zum Lebenserwerb der Fischfang. Der ist jedoch nur begrenzt erlaubt.
Rund die Hälfte der Delta-Bewohner am Schwarzen Meer wurde vorsichtshalber gegen die herkömmliche Grippe geimpft, teilte Gesundheitsminister Eugen Nicolaescu mit. "Bisher haben wir aber noch keinen Fall bei Menschen festgestellt." Das Virus wird bisher nur vom Tier auf den Menschen übertragen. Sollte es aber so mutieren, dass es direkt von Mensch zu Mensch verbreitet werden kann, könnte dies eine weltweite Epidemie auslösen.
Im Donau-Delta, dem größten Naturschutzgebiet Europas, leben 327 Vogelarten. 218 davon brüten dort, die übrigen bleiben meistens nur einige Wochen im Herbst, ehe sie nach Afrika weiterziehen.
Auch für die Türkei ist es das erste Mal, dass die Vogelgrippe entdeckt wurde. Landwirtschaftsminister Mehdi Eker sagte, mehr als 2000 Truthähne seien im Westen des Landes auf einer Geflügelfarm an der Ägäisküste unweit der Stadt Balikesir verendet. Wann der Ausbruch entdeckt wurde, war unklar. Vermutlich haben sich die Tiere bei Zugvögeln aus dem russischen Ural angesteckt, die Station in einem nahe gelegenen Nationalpark gemacht haben. "Alle Maßnahmen wurden ergriffen, um eine Verbreitung zu verhindern", sagte Eker.
Am Wochenende wurden bis zu 2000 Hühner und Truthähne getötet. Über ein Gebiet von drei Kilometern rund um die betroffene Farm sei Quarantäne verhängt worden.
KrisenpräventionInformationsfluss Die Bundesregierung hat Rumänien und die Türkei dringend gebeten, "alle verfügbaren Informationen weiterzugeben". Unklar ist, ob es sich bei den entdeckten Erregern der Vogelgrippe um das für Menschen gefährliche Virus H5N1 handelt. In Rumänien gab es Massenimpfungen gegen Grippe.
Grenzen Bei einer Verdachtsbestätigung können Lieferungen von Geflügel und -produkten aus betroffenen Gebieten sofort gestoppt werden.
Ställe Weitergehende Schritte - etwa sämtliches Freiluftgefieder in die Ställe zu bringen - können in Absprache mit der EU in Kraft treten.