US Präsident George W. Bush
Er ließ Chefwaffeninspekteur Hans Blix den Bericht über den Fortschritt der Arbeit in Irak vortragen, erteilte dem Chef der Internationalen Atombehörde Mohammed El Baradei das Wort, bat US-Außenminister Colin Powell um dessen Stellungnahme - die Regie hatte Fall. Guinea ist bitterarm, ein vergessener Staat. Und doch richten sich die Augen der Weltöffentlichkeit in diesen Tagen auf das kleine Land an der Westküste Afrikas. Nicht nur, weil es in diesen kritischen Tagen den Vorsitz über ein Gremium hat, das möglicherweise über Krieg oder Frieden zu entscheiden hat. Sondern auch, weil es zu den M-6-Staaten gehört, jenen "Middle 6", die noch nicht öffentlich erklärt haben, auf wessen Seite sie im Sicherheitsrat stehen. Zu der Gruppe zählen neben Guinea auch Angola, Chile, Kamerun, Mexiko und Pakistan. Um ihre Stimmen ist ein erbitterter Kampf entbrannt, der immer stärker in die Kritik gerät.
Für US-Präsident George W. Bush hängt viel an den Voten der sechs Unentschiedenen. Morgen wollen die Vereinigten Staaten ihren Entwurf für eine kriegslegitimierende Resolution in den Sicherheitsrat einbringen. Fest zählen kann Bush nur auf Großbritannien, Spanien und Bulgarien. Frankreich und Russland haben ihr Veto angekündigt. Je mehr Staaten den amerikanischen Weg beschreiten, desto größer die Legitimation für einen offenen Bruch mit der Uno - so das Kalkül des Präsidenten. "Es ist Zeit für die Leute, ihre Karten auf den Tisch zu legen, die Welt wissen zu lassen, wo sie stehen, wenn es um Saddam geht", sagt Bush.
Vor allem die Vereinigten Staaten bearbeiten die Widerspenstigen auf eine Weise, die nach Ansicht von Politikwissenschaftlern an Erpressung grenzt. Fast alle Länder, die bisher der Allianz gegen Irak beigetreten seien, hätten das nur getan, weil sie "gezwungen, gedrängt oder indirekt mit US-Handlungen bedroht wurden, die ihren Interessen direkt geschadet hätten", schreibt das Washingtoner Institute for Policy Studies (IPS) in einer jüngst erschienenen Studie. Außenminister Colin Powell hält dagegen: "Es geht uns weder darum, anderen zu drohen, noch darum, andere zu erpressen. Wir hoffen, dass unsere Argumente allein überzeugend genug sind."