Das Verkehrszeichen für mautpflichtige Strecken auf deutschen Autobahnen
Auf deutscher Seite waren das Bundesverkehrsministerium und die Maut-Betreiberfirma Toll Collect beteiligt. Im Januar oder Februar 2006 soll ein "Memorandum of Understanding" über den Export des Systems unterzeichnet werden.
Ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums sagte, die Chinesen hätten bei einem Besuch von Minister Manfred Stolpe im Frühsommer "großes Interesse am deutschen Mautsystem gezeigt". Jetzt werde auf Expertenebene weitergearbeitet. Toll Collect bestätigte die Gespräche in Peking Anfang November, wollte aber keine Details nennen.
China plant für die kommenden Jahre den Bau einer Vielzahl von Autobahnen und anderen großen Straßen. Für die Finanzierung ist eine Maut vorgesehen, die auch Pkw betrifft. Ähnlich wie bei der Magnetschwebebahn Transrapid will die Regierung die anspruchsvollste Technik kaufen. Die satellitengestützte Maut-Technik ist gerade in großen Ländern der Mikrowellen-Technik überlegen, weil diese die Installation von unzähligen Maut-Baken verlangt. Das ist bei einem System, das auf Mobilfunk und Satellit basiert, nicht nötig.
Eine solide Basis
"Die Gespräche über das Maut-System wurden von den Chinesen extrem forciert", sagte ein Delegationsmitglied der FTD. Ein "Memorandum of Understanding" sei auch für Pekinger Ministeriale eine solide Basis: "Die meinen es ernst." Die deutsche Technik müsse aber noch billiger werden; dies könne zum Beispiel geschehen, indem Software-Funktionen aus den Erfassungsgeräten in den Autos hin zum Zentralrechner des Systems verlagert werden.
Nach Angaben eines Toll-Collect-Sprechers haben auch Großbritannien, Ungarn und Russland ernsthaftes Interesse an dem System. Die Briten werden im März 2006 erste Tests für eine Maut in bestimmten Gebieten starten. Die Gebühr soll dann für Pkw, Lkw und Motorräder gelten. Bis 2015 sollen die verschiedenen Maut-Inseln zu einem flächendeckenden System zusammenwachsen.
In Ungarn könnte kommendes Jahr ein Maut-System ausgeschrieben werden. Anders als in Tschechien soll die Ausschreibung systemoffen sein. Die Regierung in Prag hatte ihre Anforderungen so formuliert, dass nur die österreichische Mikrowellentechnik Chancen hatte. Das sei von der EU-Kommission gerügt worden, sagte der Toll-Collect-Sprecher. Jetzt könnte es eine neue Ausschreibung geben. Die österreichische Wirtschaft ist in den EU-Betrittsländern gut vernetzt.
Noch im Anfangsstadium sind die Maut-Pläne in Irland, Australien und Neuseeland. Und die Niederlande entwickeln zwar seit Jahren für viel Geld Konzepte und starten Pilotprojekte. Eine Entscheidung haben sie bisher aber nicht getroffen.