US-Notenbankchef Alan Greenspan
"Die Märkte haben eine moderate und allmähliche Straffung der Geldpolitik weit gehend eingepreist. Sie dürften aber weniger darauf vorbereitet sein, dass die Zinsen stärker steigen", schreibt der IWF in seinem am Dienstag veröffentlichten Bericht zur Finanzstabilität. Als mögliche Ursachen für einen Kurswechsel nennt der Fonds einen scharfen Verfall des Dollar oder einen Anstieg der Teuerung.
Die US-Notenbank Federal Reserve hat ihre Zinsen bislang in maßvollem Tempo angehoben. Vorvergangene Woche hatte die Fed aber erstmals wieder vor Inflationsrisiken gewarnt. Dies hatte Sorgen ausgelöst, sie könne sich gezwungen sehen, das Tempo zu verschärfen.
Besonders Schwellenländer betroffen
Wie der IWF schreibt, haben viele Anleger ihre Investitionen unter der Annahme langsam steigender Zinsen getätigt. Sollte die Fed jetzt schneller voranmarschieren, drohen diese Positionen, schlagartig aufgelöst zu werden. Besonders die Schwellenländer würden dadurch getroffen.
Bisher profitierten diese Staaten von starken Kapitalzuflüssen, da internationale Investoren auf der Suche nach Rendite nach alternativen Anlagemöglichkeiten Ausschau halten, schreibt der Fonds. Dadurch vergünstigen sich die Finanzierungskonditionen in jenen Staaten. Sollte die Gangart in den USA aber verschärft werden, könnten sich die Kapitalströme umkehren. "Ein scharfer Anstieg der Zinsen bleibt das Schlüsselrisiko für die aufstrebenden Volkswirtschaften", so der Fonds.
Derzeit werde die US-Inflation zwar durch das starke Produktivitätswachstum und den hohen Wettbewerbsdruck gedämpft. Doch bestehe auch wegen des steigenden Ölpreises die Gefahr, dass die Teuerung anziehe und die Notenbank reagieren müsse.
Angespannte Energiemärkte
Fed-Chef Alan Greenspan sagte am Dienstag, die Energiemärkte seien so angespannt wie seit einer Generation nicht mehr. Er zeigte sich aber zuversichtlich, dass steigende Vorräte den aktuellen "Preis-Wahnsinn" bremsen werden. Zugleich werde die Aussicht auf auch künftig relativ hohe Ölpreise "Anreize für Investitionen zur Senkung der Energiekosten geben". Zur Geldpolitik äußerte sich Greenspan nicht.
Grundsätzlich trifft die derzeitige Strategie der Notenbanken, die Geldpolitik langsam zu straffen, auf Zustimmung des IWF. Es komme darauf an, die hohe Liquidität und damit den Anreiz für spekulative Investitionen schrittweise zurückzufahren. "Die Politik einer maßvollen Zinsanhebung kann eine Versicherung gegen volatile und destabilisierende Bewegungen sein", heißt es.
Jenseits solcher Gefahren habe sich die Stabilität des globalen Finanzsystems in den vergangenen sechs Monaten weiter verbessert, schreibt der IWF. Banken, Firmen und Haushalte hätten ihre Bilanzen konsolidiert. Die wirtschaftlichen Rahmendaten in den Schwellenländern seien solider.