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Merken   Drucken   14.08.2005, 22:26 Schriftgröße: AAA

Dossier: Japan setzt zu neuem Wachstum an  

Trotz der politischen Unsicherheiten und einer Wachstumsverlangsamung im Frühjahr dürfte der Aufschwung in Japan in den kommenden Monaten an Fahrt gewinnen. Diese Einschätzung äußerten Volkswirte. von Sebastian Dullien, Berlin
Junichiro Koizumi, japanischer Ministerpräsident   Junichiro Koizumi, japanischer Ministerpräsident
Am Freitag hatte die Regierung in Tokio bekannt gegeben, dass die Wirtschaft im zweiten Quartal aufs Jahr gerechnet um nur noch 1,1 Prozent gewachsen war. Im ersten Quartal des Jahres war dagegen noch ein extrem kräftiges Plus von 5,4 Prozent erreicht worden.
"Das anhaltende Wachstum der Inlandsnachfrage deutet auf eine kontinuierliche Verbesserung der Wachstumsdynamik hin", sagte Ryo Hino von JP Morgan in Tokio. Ähnlich äußerten sich Takuji Aida von Barclays Capital und Sandra Ebner von der Deka-Bank. Morgan-Stanley-Volkswirt Takehiro Sato sprach gar von einem "Warmlaufen vor dem großen Sprung", also einer kräftigen Wachstumsbeschleunigung schon im Sommer.
Ende der Krise zum Greifen nah
Damit wachsen die Chancen, dass Japan die mehr als zehn Jahre dauernde Krise, in die das Land Anfang der 90er Jahre nach dem Platzen einer Preisblase am Immobilienmarkt gerutscht war, in naher Zukunft endgültig hinter sich lassen könnte. Nachdem die Immobilienpreise in den 90er Jahren rapide gefallen waren, hatte sich in den Bankbilanzen ein Berg fauler Kredite gebildet. Bis zur Jahrtausendwende erlebte das Land danach keinen selbsttragenden Aufschwung mehr. Jetzt könnte sich das wieder ändern.
"Auf den ersten Blick sieht das Wachstum im Frühjahr nicht beeindruckend aus", sagte Barclays-Ökonom Aida. "Die Qualität hat sich aber gegenüber den Vorquartalen spürbar verbessert." So sei das Wachstum vor allem durch einen kräftigen Zuwachs der Investitions- und Konsumnachfrage getragen worden. Dabei legten die Investitionen um kräftige 9,0 Prozent zu, der Konsum um 3,0 Prozent.
Das Gesamtwachstum sei nur deshalb verhältnismäßig niedrig ausgefallen, weil die Firmen einen Großteil der Verkäufe aus Lagerbeständen getätigt hätten. Ohne diesen Effekt wäre das Wachstum aufs Jahr gerechnet um zwei Prozentpunkte höher ausgefallen. Nach Aussage Takehiro Satos ist der Abbau der Lagerbestände eine positive Entwicklung, weil nun eine anhaltend starke Nachfrage sich sofort in höhere Produktion und damit höheres Wachstum durchschlagen wird.
Gute Vorzeichen
Dabei seien die Zeichen für eine Fortsetzung des Konsum- und Investitionsbooms gut, so Ryo Hino. Die Maschinenaufträge - ein wichtiger Indikator für die Investitionstätigkeit - seien zuletzt um elf Prozent im Monatsvergleich gestiegen. Laut Takehiro Sato deutet zudem die Verbesserung am Arbeitsmarkt auf eine anhaltende Konsumlust der Japaner. "Mit der sich abzeichnenden Pensionierung der Babyboomer-Generation stellen die Firmen zunehmend wieder Personal ein", so Sato. Damit steige die Lohnsumme, was wiederum den Verbrauch ankurbele.
Auch der Preisverfall hat sich zuletzt abgeschwächt. Im Quartalsvergleich fielen die Preise gesamtwirtschaftlich nur noch um 0,3 Prozent, spürbar langsamer als zum Jahresbeginn, als die Deflation 0,8 Prozent betrug. In der vergangenen Woche hatte bereits der Notenbankchef Toshihiko Fukui erstmals geäußert, bis zum Jahresende werde die Deflation zumindest bei den Verbraucherpreisen mit "großer Wahrscheinlichkeit" überwunden sein.
Nach Einschätzung vieler Volkswirte war es unter anderem das Verdienst des Premierministers Junichiro Koizumi, dass sich Japans Wirtschaft in den vergangenen Jahren aus der Krise herausgearbeitet hat. Vor allem die Bemühungen zur Sanierung der Bankbilanzen zahlten sich nun aus. "In den zurückliegenden Jahren lasteten Schuldenabbau und Kostensenkungen auf der privaten Binnennachfrage", sagte Thomas Hoffmann, Japanexperte der Dresdner Bank. "Mit den großen Fortschritten sowohl bei der Verbesserung der Bilanzen als auch bei der Steigerung der Profitabilität haben Unternehmen und Banken jetzt wieder Handlungsspielraum gewonnen."
  • Aus der FTD vom 15.08.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
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