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Merken   Drucken   16.01.2006, 19:00 Schriftgröße: AAA

Dossier: Shell kommt in Nigeria unter Druck  

Shell, der zweitgrößte börsennotierte Energiekonzern der Welt, will seine Ölförderung in Nigeria auch nach den jüngsten Terroranschlägen auf eine seiner Anlagen aufrechterhalten. Ein Rückzug aus dem Land sei nicht geplant. von Olaf Preuss, Hamburg
Immer öfter Ziel von Attacken: Ölplattformen in Afrika   Immer öfter Ziel von Attacken: Ölplattformen in Afrika
"Wir beobachten die Situation sehr genau", sagte am Montag ein Sprecher in London. Allerdings zog der Konzern rund 330 Mitarbeiter aus der unmittelbaren Gefahrenzone ab.
Die Shell-Aktie  schloss am Montag in London mit einem Plus von 1,25 Prozent bei 1856 Pence. Auch der Ölpreis stieg, da neben der Situation in Nigeria vor allem die politischen Spannungen um das wichtige Ölförderland Iran den Markt beunruhigen. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) Rohöl der Nordsee-Referenzsorte Brent legte in London um 0,85 Cent auf 62,75 $ zu.
Angriff auf Ölplattform
Am Sonntag hatten Rebellen eine Ölförderplattform von Shell im Nigerdelta angegriffen. Nach nigerianischen Medienberichten starben dabei mindestens 22 Menschen, darunter Soldaten, die zur Bewachung der Anlage abgestellt waren. Shell beklagt nach eigenen Angaben den Tod eines Mitarbeiters.
Der niederländisch-britische Shell-Konzern ist mit einer Tagesförderung von normalerweise rund einer Million Barrel der mit Abstand größte Ölproduzent in Nigeria. Nach mehreren Anschlägen in den vergangenen Tagen liegt die Produktion von Shell derzeit um rund 100.000 Barrel unter dem üblichen Maß. Eine Ölpipeline wurde vergangene Woche in Brand gesetzt. Zudem entführten Aufständische vier Mitarbeiter von Shell-Partnerunternehmen, über deren Verbleib der Konzern nach eigenen Angaben derzeit keine Informationen hat.
Machtkämpfe und Armut
Im Nigerdelta gibt es seit geraumer Zeit gewalttätige Ausschreitungen, die sich häufig gegen die Ölwirtschaft und deren Mitarbeiter richten. Hintergrund dafür sind einerseits Machtkämpfe zwischen rivalisierenden Stämmen, zudem Proteste dagegen, dass die Bevölkerung am Ölreichtum des Landes nicht angemessen beteiligt werde. Die meisten Menschen im Nigerdelta leben in Armut.

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