Brennpunkte: Politisches Risiko in den Ländern der Welt
Als zentralen Grund für das anhaltend hohe Risiko stellt Control Risks die Ohnmacht im Meinungskampf mit radikalisierten Kräften heraus: "Denjenigen, die den Terrorismus bekämpfen, gelingt es nicht, den Krieg der Ideen zu gewinnen", heißt es. Daher werde der Krieg gegen den Terror die internationalen Beziehungen in der gesamten ersten Hälfte des 21. Jahrhunderts bestimmen.
Insgesamt lässt sich der Studie zufolge das zweite Jahr in Folge eine geringfügige Verkleinerung des Risikos für die Geschäfte von Unternehmen verzeichnen. Die Terrorgefahr bleibe allerdings: Gegenwärtig werde der Kampf gegen den Terror von den USA und ihren Verbündeten mit wechselnden und missverständlichen Zielen geführt, urteilt Control Risks. Die weltweite Unterstützung werde durch "Public-Relations-Katastrophen" wie die um die Foltervorwürfe in den Militärgefängnissen von Abu Ghraib oder Guantanamo Bay untergraben.
Islamisten nutzen moderne Techniken
Die Terroristen von al-Kaida hätten hingegen auf ideologischem Feld Boden gutgemacht. "Durch die geschickte Nutzung globaler Kommunikationsmittel und Massenmedien hat die Al-Kaida-Führung den Begriff einer weltumspannenden muslimischen Gemeinschaft mit neuem Leben erfüllt und ihr ein gemeinsames Gefühl verschafft, Opfer zu sein." Diese ideologische Macht sei heute bedeutsamer als die operative Kontrolle.
Die Terrorgruppen seien ein dezentralisiertes Netz, das lokal verankert und unabhängig von einer zentralen Autorität operiere. "Nur wenige Zellen haben eine direkte Verbindung mit Bin Laden oder werden von al-Kaida gesteuert." Die zunehmend religiös begründete Identität muslimischer Minderheiten bildet weltweit den Nährboden für solche Ideologien. Deren vereinfachende Weltsicht geht einher mit einer effektiven Nutzung moderner Medien und wird paradoxerweise auch von ihnen genährt. "Die nächste Generation der Radikalen wird aus den Fehlern ihrer von der Polizei gefassten Vorgänger lernen."
Control Risks stellt fest, dass US-Unternehmen sich überraschend schnell an die neue Sicherheitslage und die veränderten Bedingungen angepasst haben. Zwei Drittel der Firmen haben Umfragen zufolge keine negativen Auswirkungen auf ihre Erträge verzeichnet. Viele haben durch den Krieg im Irak und die verschärften Sicherheitsmaßnahmen innerhalb der USA sogar profitiert. Sie haben keine Angst vor internationalem Engagement. Nach Angaben der Uno seien ausländische Investitionen in Entwicklungsländer 2004 um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen.
Ein schwaches China wäre bedrohlich
Von großer Bedeutung für die Perspektiven der US-Unternehmen sei China mit seiner rapide expandierenden Ökonomie. China strebe mit Riesenschritten dem Status einer Großmacht entgegen. In den USA wecke dies Befürchtungen, die laut Studie unbegründet sind. "Nicht ein starkes China ist bedrohlich, sondern ein schwaches und instabiles." Die Volksrepublik werde jedoch noch jahrzehntelang mit inneren Problemen beschäftigt sein, bevor es für andere Länder zu Bedrohung werden könne.
Hohen Sicherheitsrisiken sehen Unternehmen sich nicht nur im Irak und in Afghanistan ausgesetzt, sondern unter anderem auch in Kolumbien, in Zentralafrika, am Horn von Afrika sowie in Algerien und Zimbabwe. In Asien schätzt Control Risks die Sicherheitslage vor allem in den Kaukasusrepubliken, in Pakistan, Nepal, Birma, Bangladesch und Neuguinea als problematisch ein.
Korruption und Kriminalität
In manchen Weltgegenden, so in weiten Teilen Afrikas, sind Korruption und Kriminalität größere Hindernisse für Unternehmen als der Terrorismus. In Lateinamerika können schwache Justizbehörden Firmen und ihre Mitarbeiter nicht vor gewalttätigen Banden schützen; auf dem Kontinent könne es zudem 2006 bei Wahlen zu einem weiteren Linksruck kommen.
Negative Risikofaktoren seien weiter auch Naturkatastrophen und aktuell zusätzlich der hohe Ölpreis und die Gefahr eines weltweiten Übergreifens der Vogelgrippe auf den Menschen.
Control Risks betreibt 18 Büros weltweit und berät und unterstützt in 100 Staaten 3500 Firmen und Organisationen in allen Sicherheitsbelangen.
Risiken weltweit
Politische Risiken Die Weltkarte zeigt, wie hoch das politische Risiko für die geschäftliche Tätigkeit von Unternehmen in den Ländern der Welt ist. Unruhen und andere Formen politischer Instabilität können unternehmerische Aktivitäten behindern. Länder mit besonders geringem politischen Risiko zeichnen sich meist dadurch aus, dass sich Ansprüche aus privat geschlossenen Verträgen durchsetzen lassen.
Sicherheitsrisiken Control Risks versucht darüber hinaus abzuschätzen, wie gut die Mitarbeiter und die Vermögen von Unternehmen weltweit geschützt sind. Gefahr geht beispielsweise von Attentaten, Eigentumsdelikten und Korruption aus. In manchen Staaten gehen die Behörden entschlossen, aber innerhalb eines rechtsstaatlichen Rahmens dagegen vor; dies wird von Control Risks bei der Bewertung positiv berücksichtigt.