Lagos: Ein Afrikaner sucht im Müll nach brauchbaren Dingen. Dahinter befindet sich der Hauptsitz von Mobil Oil
Nebenwirkungen überlagern positive EffekteWie der IWF schreibt, wirkt zwar der Transfer von Ressourcen von den reichen in die armen Staaten "ohne Zweifel" wachstumsfördernd in den Empfängerländern. Oft hätten Hilfszahlungen aber Nebenwirkungen, die diese positiven Effekte überlagerten. So lösten höhere Kapitalflüsse in Entwicklungsländer oftmals eine Aufwertung der lokalen Währung aus. Dies belaste die Ausfuhren. "Da die Exportindustrie in der Regel das Vehikel für eine Förderung des Wachstums ist, sind solche Entwicklungen ein Grund zur Sorge."
Die Bedenken des IWF gehen damit sogar über jene des deutschen Finanzministeriums und der Bundesbank hinaus. Beide argumentieren, Leistungen für die Dritte Welt müssten an Kriterien wie eine gute Regierungsführung geknüpft werden. Bei der Entschuldungsverhandlung setzen sie sich damit durch.
Die Fonds-Analyse legt nun nahe, dass Entwicklungshilfe auch dann verpuffen kann, wenn diese Voraussetzungen erfüllt sind. Indes räumt der IWF ein, dass die Datengrundlage der Studie noch zu schwach ist für ein abschließendes Urteil. In jedem Fall stütze die Untersuchung aber die Position, wonach stabile Institutionen und eine gute Wirtschaftspolitik Voraussetzungen für wirksame Hilfszahlungen seien.
Investitionen in Infrastruktur oder Bildung
So müsse gerade wegen der Gefahr einer Währungsaufwertung darauf geachtet werden, dass Entwicklungsgelder die gesamtwirtschaftliche Produktivität erhöhen. Dies verbessere die Wettbewerbsfähigkeit, was den negativen Auswirkungen einer teureren Währung auf den Export entgegenwirke. Als Beispiel nennt der Fonds Investitionen in Infrastruktur oder Bildung.
Das Kieler Institut für Weltwirtschaft findet in einer neuen Studie allerdings keine Anzeichen dafür, dass in den vergangenen Jahren tatsächlich mehr Geld in jene Länder floss, die ihr Wirtschafts- und Rechtssystem verbessert haben. Die Vergabepraxis sei "bisher kaum durch veränderte wirtschaftspolitische und institutionelle Rahmenbedingungen geprägt", so der Autor, Peter Nunnenkamp. Er fordert eine "produktive Verwendung der Hilfe".
Diese kann nach der IWF-Analyse dadurch erleichtert werden, dass der Westen seine Märkte für Exportprodukte aus jenen Ländern öffnet. Insbesondere im Agrarsektor müssten Handelsbarrieren abgebaut werden. In Gleneagles sind dazu aber keine Beschlüsse zu erwarten. Alternativ wird in internationalen Finanzkreisen auch das chinesische Modell diskutiert. China hält seine Währung niedrig und stimuliert so den Export. Einige Ökonomen sehen darin eine vielversprechende Entwicklungsstrategie. Offiziell teilt der IWF diese Position indes nicht und hat die Chinesen aufgefordert, die Währungskoppelung aufzugeben. Vor allem die USA stehen hinter dieser Position. Sie argumentieren, dass sich China unfaire Handelsvorteile auf Kosten der Amerikaner verschafft.