Spießrutenlauf ins Gericht
Inszenierte Schuld
Nicht in Betracht kommt für Strauss-Kahn der Ausweg, sich auf strafrechtliche Immunität zu berufen. Zwar billigen die Statuten des IWF ihren Mitarbeitern einen eingeschränkten quasidiplomatischen Status zu. Doch den genießen sie nur dann, wenn sie unmittelbar für den IWF handeln. Taten, die Mitarbeiter in der Freizeit begehen, sind nicht erfasst.
Die erste Option, alle Vorwürfe abzustreiten, scheint kaum noch realistisch. Beobachter rechnen damit, dass die Spezialisten von der Spurensicherung körperliche Auseinandersetzungen und mögliche sexuelle Handlungen durch Gentests beweisen könnten. Zudem soll ein Hotelvideo zeigen, wie die Frau offensichtlich schockiert Strauss-Kahns Suite 2806 verlässt.
Auch ein Teilgeständnis dürfte Brafman vermutlich nur als letztes Mittel wählen. "Strauss-Kahn könnte behaupten, dass er sie lediglich angemacht und sie sein Verhalten falsch gedeutet hätte", sagte Strafrechtsexperte Evan Barr der französischen Zeitung "Le Figaro". Barr ist Partner der Anwaltskanzlei Steptoe & Johnson und war zuvor bei der New Yorker Generalstaatsanwaltschaft für Schwerverbrechen zuständig.