Die Anleger zittern und die Gläubiger schäumen. Doch der Herrscher von Dubai, Scheich Mohammed bin Raschid al-Maktum, bleibt cool. "Wir sind stark", sagt der vor Selbstvertrauen strotzende Regent den Reportern, die ihn aufgeregt umringen, weil der Staatsfonds Dubai World um Zahlungsaufschub gebeten hat. Wenige Stunden zuvor hatte seine Regierung erklärt, dass sie für die Schulden von Dubai World nicht einstehen wolle.
Auch die Rede, die Scheich Mohammed für den Nationalfeiertag der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) an diesem Freitag vorbereitet hat, folgt dem Grundsatz: Den Erfolg verstaatlichen, die Schulden privatisieren. "Trotz der schwerwiegenden Folgen der globalen Finanzkrise hat sich das Rad des Fortschritts und der neuen Errungenschaften in unserem Land weiter gedreht", erklärt er.
Die Krise der Immobilienfirmen von Dubai World erwähnt der moderne Scheich, der in seiner Freizeit dichtet und seine Bewunderer gerne via Twitter auf dem Laufenden hält ("Heute traf ich Königin Elisabeth II. auf Schloss Windsor"), dagegen mit keiner Silbe. Stattdessen fordert er seine Landsleute auf, "die Ärmel hochzukrempeln und hart zu arbeiten, aktiv zu werden und immer nach vorne zu schauen, in dem Wissen, dass Gott gute Taten immer belohnt."
Doch einen versteckten Hinweis darauf, dass sich die Ära des Höher-Schneller-Weiter in Dubai langsam dem Ende zuneigen könnte, gibt der Herrscher den Bürgern seines Landes doch noch mit auf den Weg, wenn er von dem um sich greifenden Hang zur "Angeberei" spricht, den er bekämpfen will. Die Zeiten, in denen man Immobilienfirmen in Dubai Namen wie "Limitless" ("Grenzenlos") gab, sind wohl erst einmal vorbei.
Auch den zutiefst beunruhigten Investoren und Gläubigern, die sich in diesen Tagen fragen, ob das reiche Nachbaremirat Abu Dhabi den klammen Unternehmen in Dubai im Notfall beistehen würde, liefert die Ansprache des Herrschers von Dubai interessante Hinweise. Denn Scheich Mohammed lässt darin keine Gelegenheit aus, die "Vision" seines "Bruders", des Herrschers von Abu Dhabi und VAE-Präsidenten, Scheich Chalifa bin Said, zu preisen.