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Merken   Drucken   27.10.2003, 21:24 Schriftgröße: AAA

Durchhalteparolen als Antwort auf die Anschläge in Bagdad  

US-Präsident George W. Bush hat versichert, dass ihn die Anschläge in Bagdad nicht von seinem Irak-Kurs abbringen werden. Die Attacken seien "verzweifelte" Versuche von Anhängern des gestürzten Regimes, die Erfolge beim Aufbau Iraks zunichte zu machen. von Hubert Wetzel, Washington
"Je mehr Fortschritte wir machen, desto verzweifelter werden diese Killer", sagte Bush. Er sei daher noch entschlossener, den Aufbau Iraks voranzutreiben. Bush hielt sich damit an die inzwischen übliche Argumentation des Weißen Hauses: Die steigende Zahl von Angriffen auf US-Soldaten, irakische Polizisten und internationale Helfer wird als Beleg dafür zitiert, dass die Aufbauarbeit in Irak erfolgreich ist. Der Guerillakrieg dort ist nach dieser Logik kein Zeichen für breiten Widerstand in der Bevölkerung, sondern ein letztes, verzweifeltes Aufbäumen von Anhängern Saddam Husseins und ausländischen Islamisten.
Die Angreifer "können den Gedanken an eine freie Gesellschaft nicht aushalten. Sie hassen die Freiheit. Sie lieben den Terror", so Bush. Allerdings ist zweifelhaft, ob Bush die Misere in Irak noch lange mit solchen Durchhalteparolen verteidigen kann. Zwar stärken die Anschläge in Bagdad das Argument der Regierung, Irak sei nun die "zentrale Front im Anti-Terror-Krieg". Doch obwohl die Regierung diese Floskel seit Wochen wiederholt, wächst in der Bevölkerung das Misstrauen gegen Bushs Irak-Strategie.
Eine deutliche Mehrheit der US-Bürger hält einer neuen "Newsweek"-Umfrage zufolge die Kosten für zu hoch. Angesichts der fast täglichen Opfer unter den Soldaten sind 56 Prozent der Amerikaner dafür, die Zahl der US-Truppen zu reduzieren. Die schlechte Lage in Irak ist damit für Bush das derzeit größte politische Problem. Das Weiße Haus mag auf Aufbauerfolge verweisen, gegen Anschläge wie die vom Montag in Bagdad kommt es damit nicht an. Selbst Bush-Unterstützer räumen ein, dass ohne Sicherheit ein langfristiger Wiederaufbau Iraks unmöglich ist. "Wenn wir Irak nicht bald in Ordnung bringen, könnte Bush die Wiederwahl verlieren", sagt ein Mitarbeiter des Weißen Hauses.

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