Fowler nannte Personen und Gruppen beim Namen, die die angolanische Rebellenbewegung UNITA mit Waffen und Ausrüstung versorgt und somit die UN-Sanktionen verletzt haben. Diese Offenlegung schockierte die internationale Öffentlichkeit und erschütterte die Diamantenbranche. Der schonungslos offene Bericht, den eine Arbeitsgruppe unter Fowlers Leitung erarbeitet hatte, stellte auch die Glaubwürdigkeit der Afrikapolitik der Uno teilweise wieder her, die lange als wirkungslos kritisiert worden war. "Dieser Bereich hat eines erreicht: Jeder kann sehen, dass es die Kultur des Wegsehens nicht mehr gibt", sagte der 55-jährige Fowler der "Financial Times". "Die Vorstellung, dass Sanktionen der Uno ja doch nicht durchgesetzt werden, hat ein Ende gefunden."
Zwar erntete Fowlers Bericht überwiegend Zustimmung und Lob, von verschiedenen Seiten kam allerdings auch Kritik. Einige der Experten, die an dem Bericht mitgearbeitet hatten, klagten, dass sie an der endgültigen Fassung nicht beteiligt waren und zogen einige der darin enthaltenen Aussagen in Zweifel. Diplomaten kritisierten zudem, dass sehr viele Angaben von übergelaufenen ehemaligen Mitgliedern der Unita stammten. Verärgert reagierte auch Frankreich, eines der ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates. Staatspräsident Jacques Chirac beklagte sich persönlich bei Uno-Generalsekretär Kofi Annan, und behauptete, dass der Bericht gegenüber frankophonen Ländern und früheren französischen Kolonien bewusst kritisch gewesen sei.
Fowler, ein erfahrener Politiker mit dem Spitznamen "Teflon-Bob" - weil von ihm alle Kontroversen abgleiten, ohne haften zu bleiben -, wies die Kritik zurück. "Einige der Experten waren nicht besonders sachkundig. Wir haben zehn Leute zusammengewürfelt, die aus sehr unterschiedlichen Schichten und Kulturen kamen. Aber wir haben gewusst, dass darunter auch erprobte und standfeste Leute waren, die einen vernünftigen Bericht schreiben würden", sagte er. "Es gibt in diesem Bericht nichts, was mich an der Wahrheit des Gesagten zweifeln lässt. Ich finde, der Bericht steht solide da; niemand hat es geschafft, ihn herunterzureden."
Diese Fähigkeit, Kritik abprallen zu lassen, hat Fowler während seiner gesamten Laufbahn begleitet. Nach Abschluss der Queens University in Ontario nahm er eine Anstellung bei der kanadischen International Development Agency an. Der junge Mann wurde schnell für seine rasche Auffassungsgabe und seine Fähigkeit bekannt, in den höchsten Kreisen Freundschaften zu schließen - unter Konservativen ebenso wie unterLiberalen.
Seine Karriere nahm einen steilen Verlauf, nachdem er in den frühen 80er Jahren in den inneren Kreis des damaligen kanadischen Premierministers Pierre Trudeau aufgenommen wurde. Fowler beriet ihn in außen- und verteidigungspolitischen Fragen und schaffte es, seine Beraterposition in den beiden Jahren der konservativen Regierung zu behalten, die 1984 auf die Regierung Trudeau folgten. 1986 wechselte Fowler ins Verteidigungsministerium. In seiner neuen Stellung fiel er durch große Intelligenz und Detailbesessenheit auf.
Unbeantwortet blieb jedoch die Frage, wie es Fowler geschafft hatte, unter sechs Verteidigungsministern seine Stellung zu behalten. Er wurde auch in der Presse angegriffen, nachdem er unbeschadet einige Krisen im Ministerium überstanden hatte. Fowlers Karriere tat seiner Begeisterung für einen guten Kampf freilich keinen Abbruch. Seine nächste Aufgabe - bevor er die Uno verlässt, um Botschafter in Rom zu werden - wird es sein, einen "Fowler-Bericht" über den Diamanten- und Waffenhandel zwischen Sierra Leone und Liberia zu erstellen.