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22.04.2011, 09:00
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Einkäufer aus dem Reich der Mitte:
Chinas Milliarden-Shoppingtour durch Europa
© Bild:
2011 reuters
Die Volksrepublik kommt mit üppigen Krediten und spektakulären Bauprojekten, sie versprechen neuen Wohlstand und Entwicklungshilfe: China kauft sich in Not leidende europäische Randstaaten ein. Doch dahinter steckt eiskaltes Kalkül. Das heimliche Ziel heißt nämlich Kerneuropa.
von Claus Hecking
und Claudia Wanner
Da kommen sie von so weit her, und dann nehmen sich die Herren in den dunkelgrauen Anzügen nicht einmal Zeit für Islands spektakuläre Naturwunder. Raus aus dem Bus, zwei hastige Erinnerungsfotos, klick, klick, schon sitzen die Chinesen im Panoramarestaurant. Die atemberaubenden Wasserspiele des Geysirs vor dem Fenster würdigen sie keines Blickes.
Sie sind zu beschäftigt: erst mit Singen (in Klavierbegleitung), dann mit Zuhören. Liu Qi, einer der mächtigsten Männer Chinas, hält eine Rede. Der 68-Jährige, Mitglied des Politbüros der Kommunistischen Partei (KP), Cheforganisator der Olympischen Spiele 2008, Parteisekretär von Peking, ist an diesem Herbsttag mit seinem Tross auf Stippvisite in Reykjavik. Den Bürgermeister hat er schon besucht, dem Handelsminister die Hand geschüttelt und mit dem Präsidenten ein Schwätzchen gehalten.
Die Isländer sind hohen Besuch von der zweitgrößten Wirtschaftsnation der Welt bereits gewohnt. Liu ist nicht der einzige chinesische Superpromi, den es auf die isolierte, fast bankrotte 300?000-Einwohner-Insel zieht. Der Zentralbankchef, der stellvertretende Handelsminister, die Topmanager der Staatskonzerne - sie alle haben der Reykjaviker Regierung schon ihre Aufwartung gemacht.
Und sie bringen großzügige Gastgeschenke mit. Tauschen harte Renminbi im Wert von mehr als 500 Mio. Dollar gegen die schwache isländische Krone. Oder investieren im großen Stil in isländische Unternehmen.
China, dein Freund und Helfer: Mildtätig lässt das Reich der Mitte seine gigantischen Devisenreserven über Europa abregnen. Gezielt kaufen sich die Chinesen in kriselnden Staaten am Rand der Alten Welt ein. Ob Island, Weißrussland, Serbien, Moldawien, Griechenland - die Strategie ist immer die selbe. Die chinesischen Staatsbanken geben den klammen Nationen Milliardenkredite zu Vorzugskonditionen, Staatskonzerne bauen Brücken, modernisieren Eisenbahnnetze oder rüsten Kraftwerke auf.
"Entwicklungshilfe und Direktinvestitionen gehen Hand in Hand"Doch die gelben Engel mit dem vielen Geld sind mehr als nur ein Retter in der Not. Sie folgen einem harten ökonomischen Kalkül, operieren nach einem geostrategischen Masterplan. Die Milliarden aus Fernost schaffen Abhängigkeiten, sichern politischen Einfluss, öffnen Märkte, beschaffen Aufträge.
"Entwicklungshilfe und Direktinvestitionen gehen Hand in Hand", sagt Markus Taube, Professor für Ostasienwirtschaft/China an der Universität Duisburg. "Die Chinesen gerieren sich als Retter der Weltwirtschaft - und machen dabei exzellente Geschäfte."
Teil 2: Entwicklungsbanken als Pioniere
Gefunden bei:
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capital.de, 22.04.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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