Auf der ägyptischen Sinai-Halbinsel ist es trotz der verstärkten Militärpräsenz erneut zu einem Gewaltausbruch gekommen. Extremisten hätten am Montag einen Stammesanführer und dessen Sohn erschossen, teilte ein Vertreter der Sicherheitsbehörden mit. Die beiden Anschlagsopfer seien auf dem Rückweg von einer Versammlung gewesen, auf der Stammesführer über eine Beruhigung der Lage in dem Gebiet beraten hätten.
Schon in den vergangenen Tagen waren auf dem Sinai wiederholt Sicherheitskräfte angegriffen worden. Nach der Tötung von 16 Grenzpolizisten durch mutmaßlich israel-feindliche Islamisten vor einer Woche ist die Lage auf der Halbinsel angespannt. Ägyptens neuer Präsident Mohammed Mursi ordnete eine Offensive gegen die Extremisten an und entsandte Hunderte Soldaten in das Gebiet.
Hunderte Extremisten beschlossen nach Informationen aus ihrem Umfeld bei einem Treffen Rache für die Tötung von fünf Gefolgsleuten durch das Militär am Sonntag. Auf dem Sinai gibt es seit Jahren Spannungen zwischen den lokalen Beduinen und dem Staat. Die Beduinen lehnen sich gegen die Obrigkeit auf, von der sie sagen, sie schließe ihre Vertreter vom Staatsdienst aus, unternehme nichts für die Entwicklung der verarmten Region und verhafte wahllos.
Nach den Bombenanschlägen in den Touristenorten auf dem Sinai, bei denen zwischen 2004 und 2006 mehr als 130 Menschen ums Leben kamen, verhaftete die Polizei Tausende Beduinen. Sie saßen jahrelang ohne Prozess im Gefängnis. Wut und Frust sind allgegenwärtig. Im Gegenzug wirft die Regierung in Kairo den Beduinen mangelnde Loyalität vor - ein Vorwurf, der bis in die Zeit der israelischen Besatzung von 1967 bis 1982 zurückgeht.
Seit dem Sturz des langjährigen Präsidenten Husni Mubarak im vergangenen Jahr hat sich die Sicherheitslage in dem Gebiet verschlechtert. Israel befürchtet, dass der Sinai sich zum Rückzugsgebiet für Islamisten entwickelt, die von dort aus gemeinsam mit Extremisten aus dem Gazastreifen Anschläge auf den jüdischen Staat verüben und so den Friedensvertrag mit Ägypten gefährden könnten.