FTD.de » Politik » International » Griechenland stürzt ins Chaos

Merken   Drucken   16.06.2011, 07:30 Schriftgröße: AAA

Euro-Krise: Griechenland stürzt ins Chaos

Regierung und Opposition in Athen sind tief zerstritten, zudem wehrt sich die Bevölkerung gegen den Sparkurs des klammen Landes. Um einen Ausweg zu finden, will Ministerpräsident Papandreou die Vertrauensfrage stellen. All das belastet den Euro schwer. von Peter Ehrlich  Brüssel
Griechenland droht im politischen Chaos zu versinken. Ministerpräsident Giorgos Papandreou hat am Mittwoch eine Umbildung seines Kabinetts angekündigt. Danach werde er im Parlament die Vertrauensfrage stellen, sagte der Regierungschef nach Gesprächen mit Oppositionsführern. "Ich setze den gleichen Kurs fort mit der Partei und dem griechischen Volk." Oppositionsführer Antonis Samaras verlangte nach den Unterredungen vorgezogene Wahlen. "Es ist klar, dass jetzt nur das griechische Volk eine Lösung liefern kann", sagte er.
Schuldenkrise Das griechische Tafelblech
Zuvor war bekannt geworden, dass Papandreou der Opposition seinen Rücktritt angeboten habe. Er schlug laut der Agentur dpa die Bildung einer gemeinsamen Regierung der Nationalen Einheit vor. Papandreou sei dafür auch bereit sein, auf sein Amt zu verzichten, berichteten Nachrichtenagenturen unter Berufung auf ungenannte Quellen. Die Opposition schlug das Angebot aus: Für eine Beteiligung an der Regierung forderte sie Neuverhandlungen über die Bedingungen für das Rettungspaket, mit dem die Euro-Partner, die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) das Land vor der Pleite bewahren wollen.
Wer treibt die Griechen in die Pleite?

 

Wer treibt die Griechen in die Pleite?

Zum Ergebnis Alle Umfragen

Die Krise in Athen bedroht die gesamte Rettungsaktion für das Land. Ohne einen Beschluss über Kürzungen von 6,4 Mrd. Euro in diesem Jahr und 28,3 Mrd. Euro bis 2015 kann Griechenland Mitte Juli keine neuen internationalen Kredite erhalten - und wäre pleite. "Wenn Griechenland nicht liefert, bekommt es kein Geld", hieß es in der Euro-Gruppe.
An den Märkten ließen die Nachrichten aus Athen und ein weiteres ergebnisloses Treffen der Euro-Zonen-Finanzminister zur Einbeziehung privater Investoren bei einem neuen Hilfspaket den Euro deutlich absacken. Die Gemeinschaftswährung verharrte auch nach der Meldung der geplanten Regierungsumbildung deutlich unterhalb der Marke von 1,42 Dollar. Mit rund 1,4160 Dollar lag sie fast 3 Cent oder 1,9 Prozent unter dem Vortagesschluss. Es ist der größte Tagesverfall des Euro seit Mitte vergangenen Jahres.
An der Frankfurter Börse schloss der DAX  deutlich im Minus, er fiel um 1,25 Prozent auf 7115 Punkten. Der Dow Jones  schloss mit einem Minus von 180 Punkten oder 1,5 Prozent bei 11.897 Punkten. Zwischenzeitlich hatte der wichtigste US-Aktienindex sogar mehr als 200 Punkte abgegeben. Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen auch aus anderen hoch verschuldeten Staaten wie Irland und Portugal erreichten Rekordstände.
Diplomaten bezweifeln inzwischen, dass sich die Regierungen der Euro-Zone in der kommenden Woche auf das nötige weitere Hilfspaket für Griechenland verständigen können. Letzter möglicher Termin wäre der 11. Juli. Ohne Finanzierungszusage der Europäer für weitere Kredite ab 2012 kann der IWF seinen Anteil an der nächsten Kredittranche nicht freigeben. Der IWF wäre zwar bereit, im Juli seinen Anteil zu zahlen, wenn die Details der umstrittenen Beteiligung privater Banken noch nicht feststehen - aber nur wenn garantiert ist, dass die nötige Gesamtsumme von bis zu 120 Mrd. Euro bis 2014 gesichert ist.

Teil 2: Brandsätze auf das Finanzministerium

  • FTD.de, 16.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Den Parameter für die jeweilige Rubrik anpassen: @videoList
  • Massaker in Syrien: Russen, bewegt euch endlich!

    Russland stand bisher fest an der Seite des Assad-Regimes. Ob mit Waffen oder mit politischer Rückendeckung, Syrien konnte auf die Russen zählen. Das sollte Moskau schleunigst ändern. mehr

  •  
  • blättern
Tweets von FTD.de Politik-News

Weitere Tweets von FTD.de

  26.05. Der Test zu Pfingsten Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Wann gilt ein bundesweites Tanzverbot? Existiert ein offizieller Vatertag? In Deutschland gibt es viele gesetzliche und kirchliche Feiertage: Was wissen Sie darüber?

An welchem Feiertag gilt ein gesetzliches Tanzverbot in Deutschland?

Der Test zu Pfingsten: Kennen Sie sich mit Feiertagen aus?

Alle Tests

FTD-Wirtschaftswunder Weitere FTD-Blogs

alle FTD-Blogs

Newsletter:   Newsletter: Eilmeldungen Politik

Ob Regierungsauflösung oder Umfragehoch für die Linkspartei - erfahren Sie wichtige Politik-Nachrichten, sobald sie uns erreichen.

Beispiel   |   Datenschutz
 



DEUTSCHLAND

mehr Deutschland

EUROPA

mehr Europa

INTERNATIONAL

mehr International

KONJUNKTUR

mehr Konjunktur

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote