Die Kanzlerin wirbt in Peking für großzügige Euro-Krisenhilfe
Merkel hält die Gelegenheit für günstig: Nach dem Brüsseler EU-Gipfel vom Montag kann sie mit den frischen Beschlüssen für ein strengeres Sparregime und für Pläne zur Konjunkturbelebung in 25 der 27 EU-Staaten nach Peking reisen. "Das Timing ist äußerst glücklich", sagte ein Regierungsvertreter. Merkel könne der chinesischen Führung erklären, dass die EU mit den neuen Verträgen nun auf dem Weg zu einer "Stabilitätsunion" sei.
Dennoch kann Merkel sich nicht allzu große Hoffnungen machen, denn China ist auf bisherige Akquiseversuche nicht eingestiegen. So hatte EFSF-Chef Klaus Regling bei seiner Werbetour im vorigen Herbst keine Hilfszusagen für eine Aufstockung des Rettungsfonds aus Asien einwerben können. Und im November, auf dem Gipfeltreffen der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) im südfranzösischen Cannes, kam der chinesische Präsident Hu um eine Hilfszusage herum, weil Griechenland während der zwei Gipfeltage alle Welt mit Turbulenzen um ein Referendum über die Rettungspläne in Atem gehalten hatte.
Auch IWF-Chefin Christine Lagarde wirbt schon seit Längerem um Finanzspritzen aus China und aus anderen Schwellenländern. Die haben seit vergangenem Herbst zwar schon mehrfach angedeutet, dass sie bereit seien, dem IWF vor dem Hintergrund der anhaltenden Euro-Krise noch mehr Geld zur Verfügung zu stellen. Bislang fehlen aber nach wie vor konkrete Milliardenzusagen. Die Schwellenländer dringen im Gegenzug auf mehr Einfluss in der internationalen Finanzinstitution.