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09.11.2011, 08:07
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Europa am Energietropf:
Gas von Moskaus Gnaden
Leitartikel
Die neue Gaspipeline erhöht die Abhängigkeit vom Energielieferanten Russland. Das ist umso bedauerlicher, als Gazprom auf langlaufende, überteuerte Kontrakte besteht. Der Gaslieferant sollte das Aus für die Ölpreisbindung erwägen - zumindest in Teilen.
Niemand kann bestreiten, dass Westeuropa vermehrt Erdgas benötigt, um seinen Energiebedarf abzudecken. Vor allem Deutschland: Der beschleunigte Ausstieg aus der Atomenergie macht es notwendig, künftig mehr von diesem fossilen Brennstoff einzusetzen - als Brückenenergie, bis wir irgendwann mit erneuerbaren Energien einen Großteil unseres Verbrauchs stillen können. Da kommt doch die Inbetriebnahme der rund 1220 Kilometer langen Ostseepipeline Nord Stream, die russisches Erdgas direkt nach Deutschland strömen lässt, gerade recht, oder?
Nord Stream
So kam die Pipeline in die Ostsee
Leider nein. Die neue, rund 7,4 Mrd. Euro teure Megaröhre stellt lediglich eine Umleitung dar. Mit Blick auf die Versorgungssicherheit müssten vor allem neue Gasvorkommen erschlossen werden. Darum ging es jedoch nicht bei diesem gigantischen Leitungsprojekt, das am Dienstag von Kanzlerin Angela Merkel und Russlands Regierungschef
Dmitri Medwedew an der Ostseeküste in Betrieb genommen wurde. Das Erdgas kommt jetzt nur über einen neuen Transportweg in den energiehungrigen Westen.
Nord Stream ist deshalb ein Politikum. Weil der weltgrößte Gasexporteur Russland in der Vergangenheit bei seinen älteren Pipelines oft Schwierigkeiten mit den Transitländern wie der Ukraine hatte, wurde die Röhre durch die Ostsee gebaut. Diese neue Umgehung zeugt von einem tiefen Misstrauen gegenüber der Ukraine und davon, dass sowohl die Politik - die Nord Stream angeschoben und unterstützt hat - als auch die Energiekonzerne und hier vor allem der Gaslieferant Gazprom nicht glauben, dass sich die politische und wirtschaftliche Lage in Kiew stabilisieren wird. Das ist ein schlechtes Signal.
Nord Stream erhöht zudem die Abhängigkeit vom russischen Erdgas. Sobald im nächsten Jahr die zweite Röhre fertig ist, können jährlich 55 Milliarden Kubikmeter des Energieträgers nach Westen strömen - damit lassen sich zehn Prozent des im Jahr 2030 prognostizierten Gasbedarfs in der EU abdecken. Wie risikoreich diese Lieferantenmacht sein kann, spürt derzeit stellvertretend der deutsche Energiekonzern Eon. Dessen Tochter Ruhrgas leidet erheblich unter lang laufenden, überteuerten Kontrakten mit Gazprom. Die Russen wollen nicht davon abrücken, obwohl sich der Gasmarkt international gedreht hat.
Gazprom sollte nun ein Zeichen setzen und mindestens einen Teil der Liefervereinbarungen nicht mehr an den hohen Ölpreis binden. Der Industrie und den Privathaushalten wäre es gerade in der derzeitigen wirtschaftlichen Lage nur recht, wenn der Preisdruck etwas nachlässt. Nord Stream allein wird dafür aber nicht sorgen. Den Verbrauchern wird helfen, dass auch andere Lieferwege - wie flüssiges Erdgas und neue Lagerstätten, etwa im Schiefergestein - immer attraktiver werden.
Energieversorgung: Woher die EU ihr Gas bekommt
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Aus der FTD vom 09.11.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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