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Merken   Drucken   23.08.2011, 20:09 Schriftgröße: AAA

Ex-IWF-Chef: Nur Verlierer im Fall DSK

Dominique Strauss-Kahn ist wieder ein freier Mann. Aber seine öffentliche Würde hat er für immer verloren. Genauer gesagt: Die US-Justiz hat sie ihm geraubt - unter Beihilfe internationaler Medien.
© Bild: 2011 dapd/Louis Lanzano
Leitartikel Dominique Strauss-Kahn ist wieder ein freier Mann. Aber seine öffentliche Würde hat er für immer verloren. Genauer gesagt: Die US-Justiz hat sie ihm geraubt - unter Beihilfe internationaler Medien.
Der "Sexbanker", den New Yorks Staatsanwalt Cyrus Vance als Vergewaltiger anklagte, musste in Handschellen über den "Perp Walk" gehen, durch ein Spalier von Fotografen und Kameramännern. Und dann musste der frühere IWF-Chef monatelang wilde Spekulationen über sein Intimleben ertragen. Ein Spießrutenlauf, dessen ehrabschneidende Wirkung auch nicht mehr rückgängig gemacht werden kann, indem Vance die Anklage jetzt fallen lässt. Strauss-Kahns  Image bleibt auch als Unschuldiger besudelt.
Das Ende des Verfahrens gegen Strauss-Kahn ist...

 

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Dieser als Unterhaltungsspektakel inszenierte Fall war eine Prüfung für das US-Rechtssystem. Es ist sang- und klanglos durchgefallen. An die Stelle der Unschuldsvermutung trat die Vorverurteilung, an die Stelle von Aufklärung erst einmal Mutmaßung, an die Stelle von Persönlichkeitsschutz öffentliche Sensationslust, an die Stelle von unvoreingenommenen Ermittlungen ein vorprozessualer Pranger.
Welches Glück, dass wir in einem Rechtsstaat leben, der anders mit Beschuldigten umgeht und der das Rechtsverständnis "Im Zweifel für den Angeklagten" nicht erst gelten lässt, wenn die Ermittlungen gescheitert sind.
Auch aus Zeugensicht wirft der Fall Strauss-Kahn ein schlechtes Licht auf das amerikanische Rechtssystem. Ist die Hotelangestellte, mit der sich der Franzose eingelassen hat, schon unglaubwürdig, weil sie mit Drogendealern in Verbindung stand und schwindelte? "Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht", dieses Sprichwort wird vor einem US-Geschworenengericht praktisch zum Rechtsgrundsatz. So beraubt man sich möglicher Erkenntnisse.
Wohl niemand außer der Hotelangestellten und Strauss-Kahn weiß, was sich an jenem Tag in New York tatsächlich zugetragen hat. Selbst ein wahrscheinlicher Zivilprozess dürfte keine Aufklärung mehr bringen. In der Regel werden solche Verfahren nur angestrengt, um einen Handel zu erwirken: Geld gegen Stillschweigen. An Ersterem hat die Hotelangestellte ein Interesse, an Letzterem Strauss-Kahn.
Für ihn kommt die Einstellung des Verfahrens fast einer Rehabilitation gleich. Das mag eine persönliche Erleichterung sein. Über die Tragik kann das nicht hinweghelfen. DSK hat die Affäre nicht nur seinen Job als Chef des Internationalen Währungsfonds gekostet.
Viel schlimmer: Er musste alle Ambitionen aufgeben, als Spitzenkandidat der Sozialisten Frankreichs Präsidenten Sarkozy  aus dem Amt zu jagen. Selbst wenn Frankreich sich aufgrund des empörenden Umgangs der US-Justiz mit Strauss-Kahn solidarisierte: Seine Chancen auf ein politisches Comeback sind gleich null.
  • FTD.de, 23.08.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 29.08.2011 14:00:54 Uhr   Johan Amsterdam: seine Frau

    Respekt für die Gemalin vom Herr DSK. Sie scheint die Ehe seriös zu nehmen. Respekt.

  • 24.08.2011 15:54:38 Uhr   jes: USA-justizsystem
  • 24.08.2011 14:00:15 Uhr   allsposs: DSK und seine überhebliche Selbsteinschätzu...
  • 24.08.2011 12:42:31 Uhr   Besch: DSK
  • 24.08.2011 09:49:19 Uhr   Horatio_B_Stechlich: Beweis-Problem
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