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Merken   Drucken   15.01.2011, 11:38 Schriftgröße: AAA

Expansionsgelüste: China rüstet sich zur Weltmacht

In der globalen Wirtschaft mischt die Volksrepublik seit Jahren ganz weit oben mit. Inzwischen gilt das auch für das Militär. Nach dem Testflug des Tarnkappenbombers J-20 wird eine Rüstungswelle befürchtet. Die Muskelspiele erschrecken die USA - und Chinas Nachbarn.
© Bild: 2011 AP
In der globalen Wirtschaft mischt die Volksrepublik seit Jahren ganz weit oben mit. Inzwischen gilt das auch für das Militär. Nach dem Testflug des Tarnkappenbombers J-20 wird eine Rüstungswelle befürchtet. Die Muskelspiele erschrecken die USA - und Chinas Nachbarn. von Martin Kölling, Tokio, Sabine Muscat  Washington, Claudia Wanner, Hongkong und Georg Fahrion, Berlin
"Ich bin sicher, dass Japan und andere Länder Druck auf die USA ausüben werden, die Produktion des F-22 wieder aufzunehmen", sagt Andrei Chang, Chefredakteur des Fachmagazins "Kanwa Asian Defense Monthly". Die USA hatten die Produktion dieses Kampfjets 2009 aus Kostengründen eingestellt.
China hat in den vergangenen Monaten große Fortschritte in der Waffenentwicklung gemacht. Die neuen Technologien haben das Potenzial, die Machtbalance in Ostasien empfindlich zu stören. Zudem ist Pekings Außenpolitik seit 2010 aggressiver geworden. So hat China mit schrillen Tönen an seine Besitzansprüche auf mehrere Inseln erinnert, die auch andere Länder Asiens für sich reklamieren.
Der chinesische Prototyp eines J-20 genannten Tarnkappen-Kampfjets   Der chinesische Prototyp eines J-20 genannten Tarnkappen-Kampfjets
US-Verteidigungsminister Robert Gates hat bereits von "eigenen Programmen" gesprochen, mit dem die USA Chinas Aufrüstung kontern sollten. Wenige Tage zuvor hatte er Einsparmaßnahmen im Pentagon-Haushalt angekündigt. Diese würden ihm mehr Spielraum geben für Waffenprogramme, die Chinas Versuche untergraben sollen, die Reichweite der USA im Pazifik zu behindern. So soll die 2009 abgebrochene Entwicklung eines neuen Langstreckenbombers wieder aufgenommen werden. Zudem soll die Marine elektronische Störgeräte bekommen, die feindliche Raketen ablenken können.
In mehreren Ländern Asiens hat das wachsende Gefühl einer Bedrohung durch China bereits zu neuen Schwerpunkten in der Verteidigungspolitik geführt. Am deutlichsten wird das in Japan, dem wichtigsten Alliierten der USA in Asien. Im Dezember hat Tokio offiziell seine Verteidigungsstrategie revidiert: Die Panzerarmee wird drastisch reduziert und stattdessen die militärische Präsenz in den Seegebieten zwischen Japan und China verstärkt.
Seit Jahren schon baut Japan die Schlagkraft seiner Marine aus, indem es Hubschrauberträger und weitere mit hochmodernen Aegis-Kampf- und Radarsystemen ausgerüstete Zerstörer anschafft. Das Land besitzt bereits sechs dieser Systeme, die Raketen und Flugzeuge auf mehrere Hundert Kilometer Entfernung orten und Gegenangriffe leiten können.
Zudem vertiefen die USA und Japan die Integration ihrer Streitkräfte. Erst im Dezember 2010 führten sie das größte Seemanöver aller Zeiten durch. Dabei übten sie unter anderem, von feindlichen Truppen besetzte japanische Inseln zurückzuerobern und zu verteidigen.
Durch Vereinbarungen mit Australien oder auch Indien versucht Japan zudem, die Länder miteinander zu vernetzen, die sich von China bedroht fühlen. Mit Südkorea einigte sich Japan am Montag auf eine engere militärische Zusammenarbeit. Experten sehen darin die mögliche Keimzelle einer multilateralen Allianz, die Washington, Tokio und Seoul verbinden würde. Bisher schützen die USA Japan und Südkorea nur durch bilaterale Abkommen, während die beiden Nachbarn nicht kooperieren.

Teil 2: Indien stellt sich auf die Entwicklung ein

  • FTD.de, 15.01.2011
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