Über die Erfolgschancen des Treffens in Washington gehen die Meinungen weit auseinander - ein Mega-Ereignis wird es in jedem Fall. Eine FTD-Serie über den Gipfel und seine Hintergründe.
Expertentipps zum Wirtschaftsgipfel:Manager fürchten Merkel
Schluss mit kurzfristigen Bonuszahlungen: Vor dem Weltwirtschaftsgipfel in Washington hat die Expertengruppe von Bundeskanzlerin Angela Merkel eine Umstellung der Managerbezahlung gefordert. Zum Katalog der Fachleute gehören noch weit radikalere Vorschläge.
Kurz vor dem Weltwirtschaftsgipfel schlägt die von Merkel einberufene Expertengruppe von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für eine neue Weltfinanzordnung eine radikale Umstellung der Managerbezahlung vor. Entsprechende Informationen liegen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) vor. Nach Ansicht der Arbeitsgruppe um den ehemaligen Chefvolkswirt der Deutschen Bundesbank, Otmar Issing, hat die auf kurzfristige Bonuszahlungen ausgerichtete Managervergütung erheblich zur Finanzkrise beigetragen.
Neue Formen der Bezahlung sind nach Auffassung der Experten nötig, um zu mehr Balance zwischen kurzfristiger und langfristiger Orientierung in den Banken zu kommen. Diese könnten sich mehr an der Bildung von Pensionsansprüchen orientieren als an kurzfristigen Barauszahlungen. Staatliche Vorschriften in diese Richtung lehnen Issing und seine Kollegen aber ab.
Merkel wird am Freitagmittag kurz vor ihrer Abreise zum Weltfinanzgipfel in Washington die Empfehlungen im Berliner Kanzleramt entgegennehmen. Auch die Managergehälter werden dort Gegenstand der Gespräche sein. Der Gipfel selbst beginnt in der Nacht zum Samstag deutscher Zeit in Washington.
Regelmäßige Effizienzkontrolle
Issing und seine Mitstreiter sprechen sich auch für eine regelmäßige Bewertung der Ratingagenturen aus. Der Erfolg ihrer Arbeit soll von unabhängigen Experten einmal im Jahr öffentlich publiziert werden. Zudem hat die Runde auch die Einführung einer sogenannten Weltrisikokarte vorgeschlagen, in der alle internationalen Finanzinstitutionen aufgeführt sein sollen. Dazu gehören auch Hedge-Fonds und Rückversicherer. Die Karte soll Grundlage für ein schnelleres Eingreifen bei neuen Finanzkrisen bieten.
Will Boni kappen: Ex-EZBler Issing
Außerdem ist die Einführung eines Kreditregisters vorgesehen. Auch hier ist das Ziel, den Regierungen einen Überblick zu verschaffen, in welchem Ausmaß in ihren Ländern Darlehen mit einem hohen Risiko erteilt worden sind.
Dies wird auch vom Wirtschaftsweisen Peter Bofinger begrüßt. Die Instabilität des globalen Finanzsystems sei vor allem auf eine zu geringe Transparenz der Finanzinstitute zurückzuführen, sagte Bofinger. Um dies zu beheben, müsse eine globale Finanzdatenbank eingerichtet werden, der als globale Schufa alle Bankkredite von mehr als 1 Mio. Euro gemeldet werden müssen.
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