Ein Häftling im US-Gefangenenlager Guantanamo
Gefangene hätten sich demnach im Frühjahr 2002 über Misshandlungen und die Entweihung des Korans beschwert, teilte die Bürgerrechtsbewegung ACLU unter Berufung auf den Bericht mit. Dabei sei auch ein Koran die Toilette hinuntergespült worden.
Entsprechende Berichte der "Newsweek" waren in der vergangenen Woche von der US-Regierung heftig dementiert worden. Das Pentagon hatte die Zeitschrift für blutige Unruhen und gewalttätige anti-amerikanische Proteste in mehreren islamischen Ländern verantwortlich gemacht, bei denen 17 Menschen getötet wurden. Eine Woche nach Erscheinen zog das Blatt den Artikel zurück. Zur Begründung hieß es, der Informant sei sich seiner Sache nicht mehr sicher.
Die Bürgerrechtsbewegung hat eigenen Angaben zufolge die Dokumente auf Grund einer Gerichtsentscheidung zur Einsicht bekommen. Die meisten Unterlagen seien Verhörprotokolle des FBI. Die bisher geheimen Akten sind der erste Hinweis, dass das amerikanische Justiz- und das Verteidigungsministerien schon 2002 davon wussten, dass Gefangene über Schändungen des den Muslimen heiligen Buches berichteten.
Häftlinge sollen geschlagen und bespuckt worden sein
Die Wächter hätten die Häftlinge geschlagen, sagte ein Insasse in einem Verhör. "Sie spülten den Koran die Toilette hinunter." Das US-Verteidigungsministerium wies die erhobenen Anschuldigungen umgehend als unglaubwürdig zurück.
Ein anderer Häftling sagte im März 2003, Wächter hätten den Koran wiederholt entweiht. Dieser Häftling habe gefragt, warum die USA, die doch für die Religionsfreiheit eintrete, den Koran als Waffe benutze, heißt es in den Akten. Wieder ein anderer Insasse berichtete in einer Vernehmung im Oktober 2002, dass er und andere Häftlinge "geschlagen, bespuckt und schlimmer als Hunde" behandelt worden seien.
Ein Pentagon-Sprecher sagte, Angehörige der US-Streitkräfte in Guantanamo hätten vor kurzem eine andere Akte mit der gleichen Anschuldigung von einem der verhörten Häftlinge gefunden. Dieser sei am 14. Mai erneut vernommen worden. "Er hat seinen Vorwurf nicht untermauert", hieß es. Auf die Frage, ob es nicht möglich sei, dass dieser Häftling aus Furcht vor Repressalien seine Behauptungen nicht bekräftigt habe, sagte der Sprecher, das sei eine Frage der Einschätzung, und er vertraue dem Urteil der US-Kommandeure in Guantanamo mehr als dem eines Al-Kaida-Terroristen.