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Merken   Drucken   13.02.2006, 08:56 Schriftgröße: AAA

Firma testet Funkchips für Menschen  

Ein amerikanisches Sicherheitsunternehmen in den USA hat zwei Mitarbeitern elektronische Überwachungschips implantiert, um ihre Bewegungen im Firmengebäude kontrollieren zu können. Es ist der erste bekannt gewordene Fall dieser Art in den USA. von Richard Waters, San Francisco
Etwas größer als ein Reiskorn: ein RFID-Chip zum Implantieren   Etwas größer als ein Reiskorn: ein RFID-Chip zum Implantieren
Citywatcher, ein Privatunternehmen aus dem US-Bundesstaat Ohio, teilte mit, man prüfe diese Technik, um den Zugang zu einem Raum zu kontrollieren, in dem Klienten der Firma vertrauliche Videoaufnahmen lagern. Das Unternehmen zählt Behörden und Polizei zu seinen Kunden.
Die Meldung dürfte die Debatten um die so genannte RFID-Technologie weiter anheizen. RFID-Chips enthalten Funksender mit individueller Kennung und können beispielsweise zur Warenverfolgung eingesetzt oder Haustieren implantiert werden. "Dass Menschen permanent mit einer Kennung versehen werden, wirft sehr ernste Fragen in Bezug auf Privatsphäre und Bürgerrechte auf", sagte die Expertin Liz McIntyre, die die RFID-Technologie ablehnt. "Wenn die Leute eine individuelle Nummer erhalten, können auch ihre täglichen Aktivitäten überwacht werden."
Citywatcher-Chef Sean Darks sagte, die in seinem Unternehmen verwendeten Chips würden als Ausweise dienen. Sie werden im oberen rechten Arm des Empfängers implantiert und von einer Art Kartenleser in der Nähe des Arms "gelesen". "Es pulsiert nichts oder sendet ein Signal aus", sagte Darks, der selber einen derartigen Chip implantiert hat. "Es ist kein GPS-Chip. Meine Frau weiß nicht, wo ich mich aufhalte." Arbeiter müssen Implantate akzeptieren Befürworter derartiger Chip-Implantate für Menschen halten die Technologie für akzeptabel, sofern sie nicht zwingend vorgeschrieben werde. "Alles passiert auf freiwilliger Basis", sagte Jim Scott, der Arzt aus Cincinnati, der den Citywatcher-Angestellten die Implantate eingesetzt hat. Die mit Glas umhüllten Chips könnten so leicht und sicher eingesetzt werden wie implantierbare Verhütungsmittel und seien einfach zu entfernen, sagt er. "Sie sind ein bisschen länger als ein Reiskorn und haben in etwa denselben Durchmesser", beschreibt der Arzt die Chips.
Kritiker halten dagegen, dass ein implantiertes Identifikationsgerät eines Tages dazu genutzt werden könnte, die Träger ohne deren Wissen - oder Zustimmung - aufzuspüren. Dies könnte beispielsweise einfach durch die Anwendung geheimer Lesegeräte geschehen, die in Türen angebracht werden. Außerdem bleibe Arbeitern, die ihren Job behalten wollten, kaum eine andere Wahl, als die Implantate zu akzeptieren, wenn diese vom Arbeitgeber als Teil eines Identifikationssystems zur Zugangskontrolle für Sicherheitsbereiche genutzt werden, sagte McIntyre.
Das US-Unternehmen Verichip hat die Geräte hergestellt und behauptet, über die einzigen Chips zu verfügen, die bisher von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA zugelassen wurden. Verichip zufolge wurde bisher rund 70 Personen in den USA ein Chip implantiert, und 66 Krankenhäuser testen die Technologie in ihrer Notaufnahme, um bewusstlose Menschen zu identifizieren. Verichip bewirbt seine Technologie unter anderem als Möglichkeit, Kindesentführungen zu verhindern.
  • Aus der FTD vom 13.02.2006
    © 2006 Financial Times Deutschland,
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