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Merken   Drucken   15.03.2011, 13:51 Schriftgröße: AAA

Folge der Japan-Katastrophe: Deutschland schaltet sieben Atomkraftwerke vorläufig ab

Jahrelang gaben sich Union und FDP als Freund der Atomindustrie. Den rot-grünen Bruch mit der Kernenergie revidierte Schwarz-Gelb. Jetzt treibt die Koalition von Kanzlerin Merkel den Ausstieg vom Ausstieg vom Ausstieg voran. Ein halbes Dutzend alter Meiler soll vom Netz genommen werden.
In Deutschland werden sieben alte AKW vorläufig vom Netz genommen. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) einigte sich mit den Ländern darauf, sieben vor 1980 gebaute Kernkraftwerke für die Zeit des Moratoriums abzuschalten und auf Sicherheit zu überprüfen. Die Auszeit beträgt drei Monate.
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Der Energiekonzern Eon  kündigte an, sein Atomkraftwerk Isar 1 in Bayern vorläufig abzuschalten. "Eon wird den Leistungsbetrieb seines ältesten Kernkraftwerks Isar 1 für die Dauer des Moratoriums der Bundesregierung unterbrechen", teilte der Konzern mit. Damit wolle der Versorger einen "Beitrag zur Versachlichung der aktuellen Diskussion um die Kernenergie" leisten.
Das Konkurrenzunternehmen EnBW  kündigte an, das Atomkraftwerk Neckarwestheim I bei Heilbronn in den nächsten Tagen vom Netz zu nehmen. Die Abschaltung erfolge freiwillig vor dem "Hintergrund der dramatischen und menschlich zutiefst bewegenden Ereignisse in Japan" und sei nur vorübergehend.
Bis zum 15. Juni sollten alle Sicherheitsfragen beantwortet werden, teilte die Kanzlerin nach einem Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder mit Atomkraftwerken mit. An dem Treffen nahmen auch die Bundesminister für Umwelt und Wirtschaft, Norbert Röttgen (CDU) und Rainer Brüderle (FDP), teil. Röttgen sagte, das geltende Atomgesetz decke die vorübergehende Abschaltung der Meiler ab. Brüderle betonte, es gebe auch ohne die sieben Anlagen eine hinreichende Versorgungssicherheit in Deutschland.
Merkels plötzliche Wende in der Atompolitik ist...

 

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Wie lange die AKW abgeschaltet bleiben, ist offen. Röttgen hatte am Montag gesagt, er gehe davon aus, dass ein während des Moratoriums abgeschalteter Atommeiler gar nicht wieder ans Netz gehe.
Die Aktien des Stromkonzerns Eon, der die Kraftwerke Unterweser und Isar I betreibt, notierten kurz nach der Ankündigung rund 4,6 Prozent im Minus bei 20,80 Euro. Anteilsscheine des Biblis-Betreibers RWE  lagen bei 43,80 Euro, ein Minus von vier Prozent. Aktien des baden-württembergischen Energiversorgers EnBW , dem die AKW Neckarwestheim und Philippsburg gehören, blieben mit 41,31 Euro gegenüber dem Vortag praktisch unverändert.
Merkel sagte, bei dem für den kommenden Dienstag geplanten Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder mit Atomkraftwerken "wird sich entfalten, wie das Moratorium ausgestaltet wird". Anschließend seien auch Treffen in einem erweiterten Kreis geplant. Merkel sagte, bei den Vorgängen in Japan handele es sich um "eine Zäsur in der Geschichte der technisierten Welt". Der Austritt von Radioaktivität in Folge des Erdbebens und des Tsunamis habe gezeigt, dass die "Auslegung des Kraftwerks auf die Naturgewalten nicht ausreichend war". Dies sei der Grund für die aktuellen Entscheidungen.
"Es gilt der Grundsatz: Im Zweifel für die Sicherheit", hatte Merkel am Montag gesagt. "Es gibt bei dieser Sicherheitsprüfung keine Tabus." Die Situation nach dem Moratorium werde eine andere als davor sein. Die Sicherheit aller deutschen Atomkraftwerke müsse rückhaltlos und vorbehaltlos überprüft werden. "Alles gehört auf den Prüfstand", sagte die Kanzlerin. Deutschland könne aber noch nicht auf die Atomkraft verzichten.
Die im Durchschnitt zwölf Jahre längeren Laufzeiten waren von Schwarz-Gelb erst im Herbst beschlossen worden. Merkels Regierung nahm damit das Herzstück der Politik der rot-grünen Regierung unter Gerhard Schröder (SPD) zurück. SPD-Chef Sigmar Gabriel kritisierte die Entscheidung. "Wir wollen kein Moratorium. Wir wollen, dass die Kernkraftwerke endlich abgeschaltet werden", sagte er.
07:10:26 Kursinformationen und Charts
Name aktuell  absolut  
Eon 15,265 EUR   -1,77%  -0.275
RWE 29,7 EUR   +0,10%  0.031
Energie Baden-Württemberg 32,579 EUR   -0,08%  -0.025
  • FTD.de, 15.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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