FTD Was passiert in Kopenhagen aus ökonomischer Sicht?
Ottmar Edenhofer Den Klimagipfel in Kopenhagen kann man als die wichtigste Wirtschaftskonferenz seit dem Zweiten Weltkrieg bezeichnen. Wir müssen uns dort darauf verständigen, wie hoch das Kohlenstoff-Budget ist, das wir noch in der Atmosphäre ablagern dürfen. Und dann stellt sich sofort die Verteilungsfrage.
FTD Wer sind Gewinner und Verlierer dieser Umverteilung?
Edenhofer Der größte Teil der Umverteilung wird zwischen den Volkswirtschaften stattfinden, die Kohle, Öl und Gas anbieten, und ihren Nachfragern. Öl und Gas müssen langsamer gefördert werden. Das produziert erhebliche Verluste, vor allem für den Nahen und Mittleren Osten. Die Kohlebesitzer müssen wir zwingen, den größten Teil ihrer Kohle im Boden zu lassen. Da ist klar, dass es erhebliche Verteilungskonflikte gibt.
FTD Wie kann man die lösen?
Edenhofer Der einzige Weg, die Konflikte einigermaßen erträglich zu halten, ist Innovation. Die Steinzeit ist nicht aus Mangel an Steinen zu Ende gegangen. Genauso wird die Kohlenstoffwirtschaft nicht aus Mangel an Kohlenstoff zu Ende gehen, sondern durch bessere Techniken.
FTD Wird Deutschland zu den Gewinnern gehören?
Edenhofer Gewinnen werden zunächst die, die weniger CO2 ausstoßen, als sie dürfen, etwa Indien und Afrika. Gewinnen werden aber auch die Innovativen. Dazu zählt Deutschland, und diesen Vorsprung sollten wir verteidigen.
FTD Können wir es uns leisten, weiter Klimaschutz-Vorreiter zu sein?
Edenhofer Für eine begrenzte Zeit ja. Wenn das Klimaabkommen kommt, gewinnen die, die ihre Wirtschaft früher umstellen als andere. Langfristig brauchen wir alle mit an Bord.
FTD Wird Kopenhagen ein Erfolg?
Edenhofer Kopenhagen wird nicht Abschluss, sondern Einstieg in lange Verhandlungen sein, dafür sollten wir einen Fahrplan entwerfen. Immerhin ist es der erste Klimagipfel, bei dem sich alle einig sind, dass es gefährlichen Klimawandel gibt und dass man ihn zu akzeptablen Kosten bekämpfen kann.