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Merken   Drucken   09.08.2005, 14:16 Schriftgröße: AAA

Frage des Tages: Was macht eigentlich die IAEA?

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat eine fast unmöglich erscheinende Aufgabe: Die Uno-Behörde soll für nukleare Sicherheit auf dem Planeten sorgen - ausgestattet mit geringen finanziellen wie personellen Ressourcen und angewiesen auf die Rückendeckung großer Nationen. von Stephan Zimprich, Hamburg
Das klappte lange Jahre mehr schlecht als recht: 1991 geriet die Behörde in den Fokus der Öffentlichkeit, als der aus dem Irak geflohene Schwiegersohn des damaligen Präsidenten Saddam Hussein, Hussein Kamel, das geheime Atomwaffenprogramm des Diktators enthüllte. Die Informationen Kamels und die wohlwollende Naivität, mit der das irakische Atomwaffenprogramm unter Hussein von der IAEA übersehen wurde, hatten die Inspekteure der Lächerlichkeit preisgegeben.
Die Zweifel an der Durchschlagskraft der Kontrolleure hatten diese sich zum großen Teil auch selbst zuzuschreiben. Bis Anfang der Neunziger Jahre begriff sich die Behörde als Teil einer nuklearen Gemeinschaft, die statt von Misstrauen vom Wunsch geleitet war, der ganzen Welt die Segnungen der friedlichen Nuklearnutzung nahe zu bringen. IAEA-Inspektoren wollten und durften nur das glauben, was ihnen von den jeweiligen staatlichen Stellen gesagt wurde - sogar wenn Filmaufnahmen von irakischen Lastern vorlagen, die bei Eintreffen der Kontrolleure hektisch eine Atomanlage verließen.
Fahnder statt Diplomaten
Seit dieser Zeit hat sich das Selbstverständnis der Behörde allerdings geändert: Die Kontrolleure sehen sich nicht mehr als Diplomaten, sondern als Fahnder, die nicht mehr nur auf schöne Worte vertrauen. Im Zuge des Kulturwandels in der IAEA wurde professionelles Misstrauen eingestellt: Zollfahnder, Ermittler, erfahrene Einsatzkräfte. Seitdem wartet die IAEA nicht mehr nur auf die Erkenntnisse von staatlichen Geheimdiensten, sie arbeitet auch mit Satellitenaufnahmen, Laboruntersuchungen und dem Internet. Unter dem Rasterelektronenmikroskops des Labors im österreichischen Seibersdorf werden Wischproben auf Plutonium- und Uranspuren analysiert. Anhand der Ergebnisse können die gefundenen Partikel im Idealfall einer bestimmten Produktionsstätte zugeordnet werden.
Mohamed el Baradei leitet die Internationale Atom Energie Agentur ...   Mohamed el Baradei leitet die Internationale Atom Energie Agentur (IAEA)
Ein Grundproblem der Behörde ist jedoch geblieben: Sie hat keine eigenen Nachrichtenquellen. Ob sie Daten von Geheimdiensten wie der CIA geliefert bekommt oder nicht, hängt allein vom Wohlwollen der jeweiligen Regierung ab. Politisch und faktisch ist die IAEA damit in einer schwachen Position sowohl gegenüber Vertragsverletzungen als auch gegenüber Kritik an der Effizienz ihrer Arbeit. Zudem leiden die Kontrollen unter der Tatsache, dass das erweiterte Zusatzprotokoll von 1997, das den IAEA-Mitarbeitern erweiterte Kontrollbefugnisse verschafft, erst von 28 Staaten unterschrieben wurde. Weder die Hauptfinanziers der Behörde, die USA, noch die Staaten der Europäischen Union haben das Protokoll bislang ratifiziert.
Die Aufgaben der Behörde sind heute neben der Verhinderung der Weiterverbreitung von Atomwaffen die Beratung bei ziviler Nutzung sowohl im Aufbau als auch in der Entsorgung, die Erforschung der Nukleartechnik und die Schaffung von Standards, welche die Sicherheit bestehender und künftiger Anlagen gewährleisten. Zurzeit hat die IAEA 2247 Mitarbeiter, verteilt auf den Hauptsitz in Wien, vier Regionalbüros in Tokio, Toronto, New York und Genf und Forschungseinrichtungen in Wien, Seibersdorf, Monaco und dem italienischen Trieste. Das Budget der Behörde betrug im vergangenen Jahr 268 Mio. $. Die IAEA wird vom Ägypter Mohamed El-Baradei geleitet.
  • FTD.de, 09.08.2005
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