Das klappte lange Jahre mehr schlecht als recht: 1991 geriet die Behörde in den Fokus der Öffentlichkeit, als der aus dem Irak geflohene Schwiegersohn des damaligen Präsidenten Saddam Hussein, Hussein Kamel, das geheime Atomwaffenprogramm des Diktators enthüllte. Die Informationen Kamels und die wohlwollende Naivität, mit der das irakische Atomwaffenprogramm unter Hussein von der IAEA übersehen wurde, hatten die Inspekteure der Lächerlichkeit preisgegeben.
Die Zweifel an der Durchschlagskraft der Kontrolleure hatten diese sich zum großen Teil auch selbst zuzuschreiben. Bis Anfang der Neunziger Jahre begriff sich die Behörde als Teil einer nuklearen Gemeinschaft, die statt von Misstrauen vom Wunsch geleitet war, der ganzen Welt die Segnungen der friedlichen Nuklearnutzung nahe zu bringen. IAEA-Inspektoren wollten und durften nur das glauben, was ihnen von den jeweiligen staatlichen Stellen gesagt wurde - sogar wenn Filmaufnahmen von irakischen Lastern vorlagen, die bei Eintreffen der Kontrolleure hektisch eine Atomanlage verließen.
Fahnder statt Diplomaten
Seit dieser Zeit hat sich das Selbstverständnis der Behörde allerdings geändert: Die Kontrolleure sehen sich nicht mehr als Diplomaten, sondern als Fahnder, die nicht mehr nur auf schöne Worte vertrauen. Im Zuge des Kulturwandels in der IAEA wurde professionelles Misstrauen eingestellt: Zollfahnder, Ermittler, erfahrene Einsatzkräfte. Seitdem wartet die IAEA nicht mehr nur auf die Erkenntnisse von staatlichen Geheimdiensten, sie arbeitet auch mit Satellitenaufnahmen, Laboruntersuchungen und dem Internet. Unter dem Rasterelektronenmikroskops des Labors im österreichischen Seibersdorf werden Wischproben auf Plutonium- und Uranspuren analysiert. Anhand der Ergebnisse können die gefundenen Partikel im Idealfall einer bestimmten Produktionsstätte zugeordnet werden.