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  FTD-Serie: Analyse des Desasters

Was gestern vor einer Woche noch unvorstellbar war, ist heute Wirklichkeit: Investmentbanken implodieren, die US-Regierung verstaatlicht mit Hilfe der Fed den größten US-Versicherer und der deutsche Einlagensicherungsfonds scheint auch nicht mehr so sicher wie geglaubt. FTD.de analysiert und kommentiert die unglaublichen Vorgänge.

Merken   Drucken   27.10.2008, 10:54 Schriftgröße: AAA

FTD-Schattenrat: USA droht schärfste Krise seit 1982  

Der FTD-Konjunkturschattenrat sieht die USA tief in der Rezession, Ökonom Kenneth Rogoff rechnet für die Vereinigten Staaten mit der höchsten Arbeitslosigkeit seit Jahrzehnten, und Deutschlands Abschwung dauert mindestens bis Mitte 2009. von Thomas Fricke und Hubert Beyerle (Berlin)
Der Abschwung in den USA droht sich zur schärfsten Rezession seit Anfang der 80er-Jahre auszuweiten. Nach Einschätzung von mehr als 80 Prozent der Topökonomen im Konjunkturschattenrat der FTD wird die Krise dramatischer ausfallen als nach dem Platzen der New-Economy-Blase. Der Harvard-Ökonom und frühere Chefökonom des Internationalen Währungsfonds (IWF) Kenneth Rogoff warnte, die US-Arbeitslosenquote werde 2009 bis auf acht Prozent steigen. Das wäre der höchste Wert seit Ende 1983.
Bis vor wenigen Wochen hatte sich die US-Wirtschaft weit robuster entwickelt, als es Skeptiker seit Ausbruch der Finanzkrise angenommen hatten. Jetzt scheint die Belastungsgrenze überschritten, und die Anzeichen für eine schwere Rezession mehren sich. Dies dürfte die Bemühungen forcieren, die Wirtschaft über weitere Konjunkturhilfen zu stützen. Die US-Notenbank Fed könnte bereits auf ihrer nächsten Sitzung an diesem Dienstag ihre Leitzinsen noch einmal senken.
US-Wirtschaft steckt in einer Rezession
Die Chefökonomen und Konjunkturchefs des FTD-Schattenrats zeigen sich erstmals seit Beginn der Finanzturbulenzen einig, dass die US-Wirtschaft jetzt in einer Rezession steckt. Die Wahrscheinlichkeit wird im Schnitt bei 90 Prozent eingestuft, vor einem Monat waren es noch 40 Prozent. Rund 85 Prozent sagen, dass sich die realwirtschaftlichen Aussichten für die USA seit Zuspitzung der Finanzkrise Mitte September "deutlich" verschlechtert hätten. Unmittelbar nach Ausbruch der Krise hatten die Experten noch vermutet, dass die Finanzturbulenzen zu keiner nennenswerten Verschärfung führen würden.
Zwei Experten rechnen in der Oktober-Umfrage sogar damit, dass der Abschwung der US-Wirtschaft mindestens so schlimm wird wie in den Jahren 1980 bis 1982. Damals war die US-Arbeitslosenquote zeitweise auf fast elf Prozent gestiegen.
"Die USA haben es derzeit mit keiner normalen konjunkturellen Krise zu tun, sondern mit einer Rezession, die zudem noch von einer schweren Finanzkrise begleitet wird", sagte Harvard-Ökonom Rogoff der FTD. Der IWF sei mit seiner jüngsten US-Prognose von einem Prozent Wachstum im kommenden Jahr noch viel zu optimistisch.
USA erst am Anfang des Abschwungs
Nach Rogoffs Einschätzung stehen die USA erst am Anfang des Abschwungs. Die Zahl der Hausbaubeginne werde weiter fallen, die Kreditvergabe sich so schnell nicht normalisieren, und die Konsumenten begännen gerade, ihre Ausgaben zu bremsen. Die Sparquote werde allmählich wieder von null auf fünf Prozent des Einkommens steigen, so Rogoff. Dazu komme, dass sich die Konjunktur in der ganzen Welt mächtig abkühle, was den zuletzt noch boomenden Export der US-Firmen stark bremse.

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