Felipe Calderón Hinojosa ist Präsident von Mexiko. Lee Myung-bak ist Präsident der Republik Korea.
Noch immer arbeitet die internationale Gemeinschaft an der Überwindung der weltweiten Wirtschaftskrise. Dennoch sollten die unmittelbaren Probleme uns nicht dazu verleiten, die großen, langfristigen Herausforderungen aus dem Blick zu verlieren: Die Folgen des Klimawandels sind auf der ganzen Welt zu spüren. Die Auswirkungen von Dürreperioden, Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen auf Wirtschaft und Gesellschaft unserer Länder werden in Zukunft weiter zunehmen. Deshalb ist Handeln das Gebot der Stunde, denn die Kosten, die wir in Zukunft für die Anpassung an den Klimawandel zu tragen hätten, wären um vieles höher als die Kosten, die uns heute für die Lösung dieses Problems entstehen würden.
Unter der Präsidentschaft Mexikos werden die G20 in diesem Jahr alle Kräfte zur Wiederherstellung von wirtschaftlicher Stabilität und Wachstum sowie zur Bekämpfung des Klimawandels bündeln. Den Schlüssel hierzu sehen Südkorea und Mexiko im grünen Wachstum.
Unser Ziel ist es, Strategien zur Umstellung unserer gegenwärtigen Produktions- und Konsumgewohnheiten auf solche Modelle zu entwickeln, die Wirtschaftswachstum bei gleichzeitigem Schutz der natürlichen Ressourcen ermöglichen. Dadurch könnten neue Industriezweige entstehen, die diese beiden Aspekte vereinen und Chancen bieten für Innovation und für Millionen von Arbeitsplätzen.
Gegenwärtig soll die Politik des grünen Wachstums Eingang in Strukturreformen finden. Ein weiterer Bereich, der Chancen birgt, sind Investitionen in grüne Wirtschaftsprojekte wie erneuerbare Energien und Maßnahmen zu Steigerung der Energieeffizienz. In Zeiten eines sehr niedrigen Zinsniveaus in den Industrieländern sind Anleger auf der Suche nach neuen renditeträchtigen Investitionsmöglichkeiten. Für sie sind die Erträge grüner Projekte äußerst vielversprechend.
Von essenzieller Bedeutung für die Zukunft ist die Überwindung der starken Ungleichheit zwischen Industrie- und Entwicklungsländern. Um die Ernährung der Weltbevölkerung bis 2050 zu sichern, muss die Nahrungsmittelproduktion um 70 Prozent steigen, wobei der Großteil in den Entwicklungsländern stattfinden muss. Wenn wir ernsthaft grünes Wachstum wollen, dann muss die landwirtschaftliche Produktion nachhaltig gestaltet und gesteigert werden.
Des Weiteren müssen wir die staatlichen Beiträge zur Entwicklungszusammenarbeit erhöhen und innovative Finanzierungsmechanismen für das grüne Wachstum ausloten. Dabei sollte auch über Partnerschaften zwischen der öffentlichen Hand und der Privatwirtschaft und über marktregulierende Mechanismen nachgedacht werden. Der bei der Uno-Klimakonferenz in Cancún 2010 vereinbarte Grüne Klimafonds muss so bald wie möglich funktionieren. Dieses Projekt ermöglicht den Entwicklungsländern, grünes Wachstum mithilfe verstärkter internationaler Zusammenarbeit, Technologietransfers, Förderung umweltfreundlicher Steuersysteme und Mobilisierung nationaler Ressourcen zu erreichen.
Auch die Preise für fossile Brennstoffe und ihr Anteil an Umweltverschmutzung und globaler Erwärmung stehen auf der Agenda der G20. Wir müssen unserer Verpflichtung zur Rationalisierung und Abschaffung ineffizienter Subventionen für fossile Brennstoffe nachkommen und gleichzeitig saubere Energie fördern.
Das Gipfeltreffen in Mexiko wird eine hervorragende Gelegenheit bieten, um international die notwendigen politischen Kräfte für grünes Wachstum zu mobilisieren. Südkorea und Mexiko sind bereit, mit anderen Staaten der G20 die bestmögliche Strategie für grünes Wachstum zu entwickeln und umzusetzen. Indem wir den Wohlstand der heutigen und der künftigen Generationen sichern, zeigen wir der Welt, dass wir gemeinsam in der Lage sind, den Herausforderungen unserer Zeit wirksam zu begegnen.