Drei Stunden saßen die Finanzminister und Notenbankchefs der sieben führenden Industriestaaten (G7) am Freitag im US-Finanzministerium an der Pennsylvania Avenue im Herzen Washingtons zusammen und berieten über die Lage der Weltwirtschaft und ihre Schritte gegen Finanzkrise und Rezession.
Ganz so, wie es seit Jahrzehnten üblich ist - seit der damalige Bundeskanzler Helmut Schmidt und Frankreichs Präsident Valéry Giscard d'Estaing 1975 die damals noch sechs Länder umfassende Gruppe mit einem Kamingespräch auf Schloss Rambouillet etablierte.
Und doch war diesmal alles anders: Denn nach diesen traditionellen Beratungen am Rande der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) gesellten sich die Ressortleiter und Notenbanker aus China, Russland, Brasilien und anderer Schwellenländer zu dem Kreis. Und aus G7 wurden die G20 - und dann gab es noch mal zwei Stunden einen regen Austausch.
Durch die Premiere in Washington fühlten sich jene bestätigt, die die G7 aus USA, Japan, Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan als Auslaufmodell bezeichnen und die Zukunft in den G20 sehen, in denen neben diesen eben aufstrebende Schwellen- und Entwicklungsländer sitzen. "Die Zeit der Vorherrschaft der G7-Länder ist überholt", stellte etwa unlängst Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva zufrieden fest.
Krisenmanagement auf G20-Ebene
Bestätigt wurde der Eindruck auch dadurch, dass es von den G7 diesmal keine großen Ankündigungen gab, sondern vor allem darüber gesprochen wurde, wie weit man mit den Anfang April beim G-20-Gipfel in London beschlossenen Maßnahmen bereits gekommen ist und wie einzelne Schritte im Detail gestaltet werden können.
Tatsächlich ist die schwerste Finanz- und Wirtschaftskrise seit den 30er-Jahren die Stunde der G20. Zwar waren es im Oktober vergangenen Jahres in Washington die G7-Finanzminister und Notenbankchefs, die sich nach dem Zusammenbruch der US-Investmentbank Lehman Brothers im September und der dadurch dramatisch verschärften Lage an den Finanzmärkten verpflichteten, keine wichtige Bank mehr pleite gehen zu lassen - und damit wohl einen Kollaps des globalen Finanzsystems und der Weltwirtschaft verhinderten.
Seitdem aber findet das Krisenmanagement, vor allem aber auch die Debatte darum, wie Ähnliches in der Zukunft zu verhindern ist, auf G20-Ebene statt. Im November vergangenen Jahres trafen sich die G20-Staats- und Regierungschefs erstmals in Washington, Anfang April folgte das Treffen in London - und schon für September ist der nächste Termin avisiert, dann wohl wieder in den USA.