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29.11.2011, 20:57
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Gastkommentar:
Die iranische Zeitbombe
Exklusiv
Nuklearmacht oder Krieg? Die Chancen für eine diplomatische Lösung des Konflikts sind sehr gering. Trotzdem muss es gerade Europa dringend versuchen.
von Joschka Fischer
Joschka Fischer war von 1998 bis 2005 deutscher Außenminister und Vizekanzler
Während Europa sich vor allem mit seiner eigenen Krise beschäftigt und die anderen Weltmächte gebannt das bizarre Schauspiel der Europäer um die Rettung des Euro und damit auch um die Zukunft des globalen Finanzsystems beobachten, ziehen sich jenseits von Euphrat und Tigris, über dem Iran, erneut drohende Kriegswolken zusammen.
Der Iran verfolgt seit Jahren ein Atomprogramm plus den Bau von weitreichenden Trägersystemen, das nur einen Schluss zulässt: Das Land möchte militärische Nuklearmacht werden. Oder zumindest, unter dem Geltungsbereich des Atomwaffensperrvertrags, technologisch so weit kommen, dass es dann nur noch einer einzigen politischen Entscheidung seiner Führung bedarf, um eine Nuklearwaffe tatsächlich zu bauen.
An dieser Absicht der iranischen Führung kann es meines Erachtens keinen vernünftigen Zweifel geben, denn ansonsten hätte das iranische Nuklear- und Raketenprogramm keinen Sinn, sondern wäre nur Geldverschwendung.
Joschka Fischer: "Ein Angriff könnte sogar den beschleunigten und direkten Weg zur iranischen Bombe eröffnen"
Albtraum nicht nur für Israel
Der Iran braucht keine Anreicherungstechnologie, denn er verfügt nur über einen einzigen zivilen Reaktor, der zudem von Russland mit Brennelementen beschickt wird. Die iranische Technologie lässt sich darin nicht verwenden. Die Urananreicherung hat aber allemal Sinn, wenn man eine Nuklearwaffe will, denn dafür ist sie unverzichtbar. Zudem baut der Iran einen Schwerwasserreaktor, angeblich für Forschungszwecke, der aber auch für eine Plutoniumbombe unverzichtbar ist.
Der Iran hat, entgegen dem Sperrvertrag, dem das Land angehört, wesentliche Teile dieses Programms verborgen, und zudem hat das Land sich für viele Millionen Dollar bei dem pakistanischen Nuklearschwarzhändler Abdul Qadeer Khan, dem "Vater der pakistanischen Bombe", illegal Anreicherungstechnologie und das Design einer Nuklearwaffe gekauft und auch diese Tatsache verborgen. Der Iran flog auf, als Libyen mit dem Westen zu kooperieren begann und das illegale Netzwerk aus Pakistan offenbarte. Viele weitere schwere Verdachtsmomente ließen sich noch anführen.
Teil 2: Iran mit Nuklearwaffen verschiebt die Kräfte in Nahost
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Aus der FTD vom 30.11.2011
© 2011 Financial Times Deutschland,
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