FTD.de » Politik » International » Die Politik verschwendet die Chancen der Krise

Merken   Drucken   26.10.2009, 14:27 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Die Politik verschwendet die Chancen der Krise  

Statt sich mit Boni, Steueroasen und Ratingagenturen zu befassen, sollten die Regierungen der internationalen Staatengemeinschaft die wahren Probleme bekämpfen. Die liegen vor allem bei den Banken. von Richard Portes
Richard Portes ist Professor für Wirtschaft an der London Business School und Präsident des Centre for Economic Policy Research.
Wir sind dabei, eine Krise zu verschwenden. Sowohl in Europa als auch in den USA nehmen die Reformen bei der Regulierung des Finanzwesens entweder eine falsche Richtung, oder sie stocken. Politiker knöpfen sich die leichten Ziele vor, mit denen ihrer Ansicht nach die Öffentlichkeit beschwichtigt wird, oder sie beugen sich gut vernetzter, gut finanzierter Lobbyarbeit wieder erstarkender Großbanken.

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  • Aus der FTD vom 27.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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Kommentare
  • 27.10.2009 06:53:56 Uhr   Saubermann: Krisenanalyse

    Zutreffend beschreibt Portes etwas, dass nur sehr schwer einzuordnen ist. Die richtigen Lehren aus dieser Krise werden nicht gezogen. Stattdessen werden Verdrängungsmechanismen angewandt und Sündenböcke gesucht. Beredtes Beispiel ist der Koalitionsvertrag. Alles Unangenehme wird verdrängt und man fährt auf " Sicht ", was soviel heißen soll, man weiß selbst nicht was zu tun ist. Sündenböcke waren vorher schon die Bankmanager mit ihren Boni und die Steueroasen. Andererseits muß man feststellen, dass wenn die Regierungen nach dieser Krise selbst nicht wissen, was zu tun ist, um eine Wiederholung auszuschließen, dann befällt einen schon eine große Sorge. Möglicherweise ist es aber auch so, dass der Leidensdruck zur grundlegenden Neugestaltung noch nicht groß genug ist. Denn eines hat diese Krise auch hervorgebracht. Durch die vielen Rettungsprogramme erhält der Bürger den Eindruck, so schlimm sei das alles ja gar nicht gewesen. Nur wird dabei übersehen, dass uns die Staatsverschuldung erhalten bleiben wird und sie d a s Problem sein wird, welches es zu lösen gilt. Syptomatisch enthält der Koalitionsvertrag dazu nichts. Im Gegenteil, es wird noch Verschuldung draufgesattelt. Mit Galgenhumor könnte man einwenden, letztendlich ist es egal, ob die Staatsverschuldung durch eine Währungsreform bei einer Verschuldung von 100 % des BIP oder bei 200 % neu geregelt wird. Der entstehende Schmerz dürfte sich kaum unterscheiden. Denkt man darüber nach, wird fast verständlich, warum zur Eingrenzung der Staatsverschuldung keine ernsthaften Bemühungen angestellt werden.

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