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Merken   Drucken   19.08.2009, 15:34 Schriftgröße: AAA

Gastkommentar: Investoren, jetzt nach Afrika!

Die schwachen Wachstumszahlen des Kontinents täuschen. Viele Länder haben das Potenzial, als Gewinner aus der Krise hervorzugehen. Doch westliche Investoren begreifen das nicht.
von Christian Angermayer

Christian Angermayer ist Vorstandsmitglied der Asset-Management-Gesellschaft Altira Group. Deren Sparte African Development Corporation hat sich auf Investitionen in Subsahara-Afrika spezialisiert.

Bis Ende 2008 herrschte selbst unter Experten die Meinung, dass Afrika den Auswirkungen der weltweiten Rezession komplett entkommen könnte. Hauptargument hierfür war, dass der afrikanische Finanzsektor kaum von toxischen Assets betroffen ist, da in vielen Staaten, wie insbesondere Südafrika, das Kreditgeschäft gesetzlich auf den heimischen Markt beschränkt war. Zudem war der Kontinent bisher kaum in den Welthandel eingebunden.

Inzwischen zeigt die internationale Wirtschaftskrise jedoch auch deutliche Auswirkungen auf die Länder Subsahara-Afrikas. So erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF), dass sich das Wachstum in Afrika deutlich verlangsamt: Er korrigierte seine Prognose für den gesamten Kontinent von zuvor sechs bis sieben Prozent auf rund drei Prozent nach unten. Die African Development Bank, die größte Entwicklungsinstitution des Kontinents, warnte, selbst solche Wachstumsraten könnten für 2009 sogar zu optimistisch sein.

Diese Durchschnittszahlen täuschen allerdings, da Afrika in jeder Hinsicht ein Kontinent der Extreme ist. Es ergibt wenig Sinn, alle 53 Staaten statistisch in einen Topf zu werfen - zu unterschiedlich sind die ökonomischen und politischen Voraussetzungen, und zu unterschiedlich sind auch die jeweiligen Rohstoffvorkommen. Denn der Rohstoffreichtum ist bei den meisten Staaten nach wie vor der größte Treiber einer langfristig überdurchschnittlichen wirtschaftlichen Entwicklung. Oft ist dies verbunden mit einem Wandel weg von weltweit geächteten sozialistischen Diktaturen hin zu marktwirtschaftlich-autoritär geprägten Strukturen oder gar zu demokratischen Systemen. Ein sehr positives Beispiel ist Äquatorialguinea, das gerade mit Eon einen der größten Gasdeals der letzten Jahre abgeschlossen hat und auf dem Weg zu einem weltweit bedeutenden Öl- und Gasproduzenten ist.

Doch es wäre verkürzt, den Blick ausschließlich auf die Rohstoffvorkommen zu richten. Denn was manchen afrikanischen Nationen an Bodenschätzen fehlt, wird durch ehrgeizige Visionen und tragfähige Zukunftskonzepte mehr als kompensiert. Ein gutes Beispiel hierfür ist Ruanda, das sich trotz fehlender Bodenschätze und trotz des - auch wirtschaftlich zerstörerischen - Genozids von 1994 zum Musterland hochgearbeitet hat. Schlüssel zum Erfolg ist hier eine Positionierung als zentrale Zugangsstelle zu Ostafrika - ein Vorteil, der anders als Rohstoffvorkommen nachhaltig ausbaufähig ist. Folgerichtig beträgt die prognostizierte Wachstumsrate für 2009 hier immer noch 5,6 Prozent.

Ein Umdenken zu mehr Nachhaltigkeit zeichnet sich auch beim Problemthema Entwicklungshilfe ab. In den vergangenen 50 Jahren sind mehr als 2000 Mrd. $ nach Afrika geflossen. Selten haben diese Mittel echten wirtschaftlichen Aufschwung gebracht. Mittlerweile ist fast allen klar, dass Spenden und Zuwendungen, die nicht an Entwicklungsziele gebunden sind, kein Ersatz für marktwirtschaftliche Strukturen sind - ja diese sogar behindern und zerstören können. Es geht nun darum, konkrete Pläne zu entwerfen, wie eine sukzessive Entwöhnung von der Entwicklungshilfe mittels klar abgegrenzter und zeitlich befristeter Zuwendungen aussehen kann.

Teil 2: Reich an Rohstoffen

  • FTD.de, 19.08.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland
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