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Merken   Drucken   19.08.2008, 12:00 Schriftgröße: AAA

Geburtstag der Finanzkrise (Teil 4): Fünf Fragen an die Wirtschaftspolitik  

Makroökonomen machen es wie Mediziner. Sie zeigen ihren Studenten anhand von Fallstudien, welche Krankheiten das System befallen können. Doch aktuell hat der Patient Weltwirtschaft ein ganzes Bündel an Leiden. Ein Gastkommentar. von Lawrence Summers
Lawrence Summers ist Professor für Wirtschaftswissenschaften an der Universität Harvard. Er war US-Finanzminister und Chefökonom der Weltbank
Um Angebotsschocks und Stagflation zu verdeutlichen, müssen für gewöhnlich die 70er-Jahre herhalten. Die finanziellen Störungen, die beim Platzen von Blasen auftreten, verdeutlichen die Volkswirte anhand der Großen Depression oder der japanischen Bankenkrise der 90er-Jahre. Und wie wichtig die Glaubwürdigkeit der Zentralbanken für die Bekämpfung der Inflation ist, wird anhand der Erfahrungen aus den 60ern und 70ern erklärt.
Das Verblüffende und Erschreckende an unserer aktuellen Krise ist: Alle gerade genannten Elemente treten gleichzeitig auf! Angebotsschocks, Störungen an den Finanzmärkten und die Angst vor steigender Inflation. Außerdem nimmt die Krise globale Ausmaße an. Ausgehend von den USA breiten sich Rezessionssorgen auf den Großteil der industrialisierten Welt aus. In einigen Schwellenländern scheinen ernste Konjunktureinbrüche wahrscheinlicher, und die Inflationsängste sind so groß wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr. Immer mehr Leute sind sich einig, dass der Westen momentan die schwerste Finanzkrise seit dem Zweiten Weltkrieg durchlebt.
Bei so vielen negativen Überraschungen verwundert es kaum, dass es in der politischen Debatte drunter und drüber geht. Die einen betonen, wie wichtig die aktuellen schmerzlichen Korrekturen doch sind, andere rufen nach Gegenmaßnahmen. Die einen konzentrieren sich auf den Anstieg der Verbraucherpreise, die anderen sehen den Kursverfall an der Börse als das größte Problem. Manche wollen vor allem dafür sorgen, dass Finanzinstitute bei der Kreditvergabe vorsichtiger sind. Andere halten es für wichtiger, dass die Finanzierung für Investitionen und Konsum auch weiterhin gewährleistet wird. Und während die einen die Marktkorrekturen dämpfen wollen, um eine Panik zu verhindern, sagen die anderen, die Preise müssten sich möglichst schnell auf ihr faires Niveau einpendeln - auch wenn das kurzfristig weh tut.
Die Politik ist derzeit nur damit beschäftigt zu reagieren und neigt dazu, altbekannte Fehler zu wiederholen. Jahrelang wurde in den USA auf die Unentschlossenheit Japans verwiesen, was den Umgang mit kriselnden Finanzinstitutionen anging, auf das Zurückgreifen auf Effekthascherei und Marktmanipulation, auf fehlende Transparenz bei der Handhabung der Finanzkrise in den 90er-Jahren. Inzwischen wiederholen die USA viele dieser Fehler selbst.
So hat das US-Finanzministerium die implizite Garantie, die hinter den 5000 Mrd. $ schweren Bilanzen von Fannie Mae und Freddie Mac steht, explizit gemacht. So sollte ein Run auf die staatlich geförderten Unternehmen vermieden werden. Aber weder mussten die Anteilseigner leiden, noch wurden der Firmenführung irgendwelche Auflagen erteilt. Nicht einmal die Dividendenzahlungen wurden ausgesetzt.
Um die Politik proaktiver und geordneter zu gestalten, muss analysiert werden, was der Status quo ist, und welche Folgen mögliches Handeln oder Nichthandeln haben könnten. Meiner Ansicht nach sollten sich die amerikanischen Wirtschaftspolitiker in erster Linie folgende Fragen stellen:

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