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Merken   Drucken   12.10.2008, 21:36 Schriftgröße: AAA

Geheime Gespräche: Bankrottes Island bittet EU um Hilfe  

Island hat in seiner Finanznot bei der Europäischen Union vorgefühlt, ob diese dem fast bankrotten Staat aus der Krise helfen könnte. Zudem scheinen die Nordeuropäer mit einer Mitgliedschaft in der Union zu liebäugeln. von Fidelius Schmid (Brüssel)
Nach FTD-Informationen haben isländische Diplomaten vergangene Woche Kontakt mit den Beraterstäben von EU-Außenkommissarin Benita Ferrero-Waldner, EU-Erweiterungskommissar Olli Rehn und EU-Währungskommissar Joaquín Almunia aufgenommen. In den Gesprächen erkundigten sich isländische Emissäre nach möglichen Finanzhilfen. Zudem wurde erörtert, wie lange Verhandlungen über einen möglichen EU-Beitritt dauern würden. Dass mitten in der Krise auch darüber gesprochen wird, befeuerte Spekulationen unter Entscheidungsträgern in Brüssel über einen möglicherweise bevorstehenden Aufnahmeantrag der Insel in die EU.
Island ist wie bislang kein anderes Land von der internationalen Finanzkrise getroffen. Die Regierung musste drei wichtige Banken übernehmen, die Finanzmärkte des Landes versinken im Chaos. Seit vergangener Woche verhandelt die Regierung mit Russland über einen Notfallkredit von rund 4 Mrd. Euro. Das Land ist Mitglied der Nato. Bei der Suche nach finanzieller Hilfe bekam Island in Brüssel eine Absage. Die EU-Kommission informierte den Staat darüber, dass sie keine milliardenschweren Kredite an das Land vergeben könne.
Beispiel Schweden-Antrag
Die Frage eines EU-Beitritts ist in Island umstritten. Ein Teil der Regierung ist dafür, die Partei von Premierminister Geir Haarde ist dagegen. Allerdings kann die politische Landschaft im Zuge der Finanzkrise auch durcheinandergeschüttelt werden. Auch Schweden hatte sich aus einer Wirtschaftskrise heraus für die Mitgliedschaft in der EU entschieden. Es stellte 1991 seinen Antrag. Im isländischen Außenministerium hieß es, über den EU-Beitritt sei derzeit nicht prominent diskutiert worden. Es stehe nicht offiziell auf der Agenda. Die Treffen in Brüssel hätten stattgefunden, um die EU über die Krise zu informieren. In den vergangenen Monaten hatten Premierminister Haarde und Außenministerin Ingibjörg Solrun Gisladottir in Brüssel angefragt, ob Reykjavik nicht den Euro als Zahlungsmittel übernehmen könne, ohne EU-Mitglied zu werden. Das wurde abgelehnt.

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