Ghasi Maschal Adschil al-Jawer
Einen zumindest halbdemokratischen Prozess hatten sich die Iraker für die Wahl ihres Staatsoberhauptes gewünscht. Doch was sich stattdessen hinter den Kulissen zur Ernennung des künftigen Übergangspräsidenten des Irak abspielte, glich dem Handel auf einem arabischen Basar: ein zwei Tage währendes Kräftemessen zwischen USA, UNO und irakischem Regierungsrat. Sieger wurde schließlich Ghasi Maschal Adschil al-Jawar, der Favorit des Regierungsrates.
Ursprünglich hatte der von den Amerikanern favorisierte Kandidat Adnan Padschadschi das Amt übernehmen sollen. Doch nur wenige Minuten vor seiner geplanten Ernennung verzichtete der frühere Außenminister - "aus persönlichen Gründen", wie er nebulös verkündete. Aus Kreisen des Rates verlautet jedoch, er habe abgelehnt, weil die Mehrheit des 22 Mitglieder umfassenden Regierungsrates hinter ihrem Vorsitzenden al-Jawar stehe.
Der als politisch eher farblos geltende al-Jawar, wie Padschadschi ein Sunnit, ist Chef der El Schammar, einer der größten Stämme in der Golfregion. Er genießt die Unterstützung sowohl der schiitischen als auch der kurdischen Bevölkerung. Der 46-jährige Bauingenieur, der in den USA und Saudi-Arabien studiert hat, arbeitete 15 Jahre lang als Geschäftsmann in Saudi-Arabien. Erst im vergangenen Juni war er nach Irak zurückgekehrt.