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Merken   Drucken   17.08.2004, 12:30 Schriftgröße: AAA

Globalisierung: Einmal Marokko und zurück – die lange Reise der Nordseekrabben  

Crangon Crangon - exotisch klingt der wissenschaftliche Name für die Nordseekrabbe. Exotisch ist auch die Reise, die eine Krabbe unternimmt, bevor sie auf heimischen Tischen landet: Von der Nordsee über Holland bis nach Polen oder Marokko und zurück. von Christiane Karweil, Büsum
Nordseekrabben reisen um die Welt   Nordseekrabben reisen um die Welt
Krabbenpulen ist meist Handarbeit. Zu unterschiedlich geformt sind die Tiere, als dass man sie kostengünstig in großen Mengen maschinell pulen könnte. Bis Mitte der 80er Jahre pulten Frauen an der Nordsee die Schalentiere zu Hause, zum Beispiel in Büsum. "Morgens haben die Fischer die Krabben zu uns nach Hause gebracht, mittags wurde das geschälte Fleisch wieder abgeholt", erzählt Rüdiger Kock von der Tönniger Fischergemeischaft in Husum. 6,50 DM wurden damals pro Kilo Krabbenfleisch gezahlt. Dann kam die "Krabbenpulkrise": Die Lohnkosten stiegen, seit Anfang der 90er Jahre durften Krabben infolge der Öffnung des EU-Binnenmarkts nur noch in gekachelten und klimatisierten Räumen gepult werden. "Das macht die Heimpulerei unmöglich", sagte Kock. Heute lässt der Unternehmer wegen der niedrigeren Kosten Krabben in Polen oder Marokko pulen.
Früher galten Krabben als Delikatesse. Heutzutage können Liebhaber sie bei Aldi kaufen. "Der Kunde verlangt ein qualitativ hochwertiges Produkt, das zudem günstig sein muss", sagte Kock. 2,29 Euro kosten 100 Gramm Nordseekrabben bei Aldi, die in Polen oder Marokko gepult wurden.
Ganze 50 Cent mehr kosten hingegen die Krabben im Geschäft von Alfred Urthel in Friedrichskoog in Schleswig-Holstein. Urthels Krabben werden vor Ort maschinell geschält. Je 80.000 Euro hat Urthel für die beiden Krabbenschälmaschinen auf den Tisch gelegt. Am oberen Ende der Maschinen werden die Krabben in Trichter geschüttet. Von dort werden sie gerüttelt, gedreht und in die richtige Position gebracht. Dann werden die Bäuche mit kleinen Messern aufgeschlitzt, mit Druckluft werden sie aus ihrer eigenen Schale gepustet. 600 Kilo kommen wöchentlich in die Maschine rein, 200 Kilo gepultes Krabbenfleisch heraus. Allerdings müssen noch ein Drittel der Krabben per Hand nachgepult werden. Zudem ist selbst bei täglicher Reinigung der Maschinen nicht auszuschließen, dass sich in den feuchten Ritzen der Maschine Keime festsetzen. Dennoch schwört Urthel auf seine Krabben. "Frisch sind die Marokko-Krabben nicht", sagt er. "Bei uns vergehen hingegen nur 24, maximal 36 Stunden bis zum Verzehr."

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