"Es ist zwingend, dass dieser aufkommende Protektionismus ausgebremst und rückgängig gemacht wird", sagte Greenspan am Donnerstag in Washington. "Die Kosten solcher neuen protektionistischen Maßnahmen können die Flexibilität der globalen Wirtschaft untergraben."
Greenspan rügte damit die Politik von Präsident George W. Bush, die US-Industrie durch Handelsbarrieren vor Konkurrenz aus dem Ausland zu schützen. Die USA hatten vor zwei Tagen angekündigt, den Import einiger Textilien aus China über Quoten zu begrenzen. Die Welthandelsorganisation WTO hat zudem die von Bush verhängten Importzölle für Stahlprodukte für illegal erklärt. Sollten die USA sie nicht zurückziehen, dürfen betroffene Länder ihrerseits Zölle auf US-Importe erheben.
Im Streit um diese Stahlzölle hat die Bundesregierung nun Signale für ein Einlenken der USA. "Wir hören von Signalen, dass die USA die Auflagen der WTO erfüllen werden", hieß es am Rande des US-Besuchs von Bundeskanzler Gerhard Schröder in New York. "Die Bundesregierung ist daran interessiert, eine Eskalation zu vermeiden. (...) Wir wollen eine mäßigende Rolle spielen", hieß es in den Kreisen der Regierung.
Dagegen verschärfte sich der Konflikt zwischen den USA und China weiter. China erwäge höhere Zölle auf bestimmte US-Güter, sollte die US-Regierung an ihren Schutzzöllen auf Stahlimporte festhalten, sagte Vizehandelsminister Ma Xiuhong. China bestellte zudem den US-Botschafter in Peking ein und legte Pläne für den Kauf von Weizen, Sojabohnen und Baumwolle aus den USA auf Eis.