Die ermordete Journalistin Anna Politkowskaja (Archivbild)
Mord an Journalistin empört Politiker aller Parteien
Der Mord an der regierungskritischen Moskauer Journalistin Anna Politkowskaja werde aber wie schon bei Putins Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Dresden auch in München "das große Thema werden", sagte der bayerische Wirtschaftsminister Erwin Huber im Bayerischen Rundfunk. Der Mord werfe "einen Schatten auf die ganze russische Gesellschaft", und Putin sei der Welt Antworten schuldig, sagte der CSU-Politiker.
Die Fraktionsvorsitzenden der bayerischen Grünen, Margarete Bause und Sepp Dürr, sagten ihre Teilnahme an einem Essen für Putin in der Münchner Residenz ab und veranstalteten stattdessen eine Mahnwache vor der Residenz. Merkel hatte erklärt, sie werde verfolgen, ob es gelinge, die Täter ausfindig zu machen.
Der Deutsche Journalistenverband (DJV) bezeichnete die Aussagen von Putin zur Lage der Medien in seinem Land als scheinheilig. Es sei zynisch, vor dem Hintergrund des Mordes an der Reporterin Anna Politkowskaja und den alltäglichen Repressionen gegen Journalisten in Russland von Fortschritten zu sprechen, sagte der DJV-Vorsitzende Michael Konken am Mittwoch in Bonn. "Das grauenhafte Verbrechen an der regierungskritischen Journalistin ist nur die Spitze eines Eisberges."
Die Unterdrückung kritischer Journalisten und Medien in Russland habe Ausmaße angenommen, "wie wir sie aus der Sowjetzeit kennen", sagte Konken weiter. Er forderte Merkel auf, die von Putin zugesagte rückhaltlose Aufklärung des Mordes an Politkowskaja weiter zu verfolgen. Die Bundesregierung müsse deutlich machen, dass sie der Entwicklung der Menschenrechte in Russland die gleiche Bedeutung beimesse wie dem Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen.