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Merken   Drucken   17.11.2010, 10:55 Schriftgröße: AAA

"Händler des Todes": Moskau fürchtet das Wissen des Viktor But

Möglicherweise ist sich der russische Waffenhändler gar nicht bewusst, wie brisant die Informationen in seinem Kopf sind. Die empörten Reaktionen des Kremls auf seine Auslieferung sprechen aber Bände.
© Bild: 2010 AP
Möglicherweise ist sich der russische Waffenhändler gar nicht bewusst, wie brisant die Informationen in seinem Kopf sind. Die empörten Reaktionen des Kremls auf seine Auslieferung sprechen aber Bände. von Elena Danilovich und Georg Fahrion, Berlin
Russland hat mit Empörung darauf reagiert, dass Thailand den mutmaßlichen russischen Waffenhändler Viktor But an die USA ausgeliefert hat. Die Entscheidung Bangkoks sei auf "beispiellosen politischen Druck" der US-Regierung zustande gekommen und gesetzeswidrig, sagte der russische Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax. Buts Ehefrau Alla sagte: "Alles wurde hastig und heimlich abgewickelt, so wie Diebe das machen."
Viktor But nach seiner Festnahme in Thailand   Viktor But nach seiner Festnahme in Thailand
Der thailändische Ministerpräsident Abhisit Vejjajiva wies die Kritik aus Moskau zurück. Man sei sowohl mit den USA als auch mit Russland in Kontakt gewesen. "Es war unsere Pflicht zu entscheiden und zu tun, was richtig ist. Wir können es nicht jedem recht machen", sagte er.
But hatte seit März 2008 in einem Bangkoker Gefängnis gesessen. Mit seiner Auslieferung am Dienstag ging ein diplomatisches Tauziehen zwischen Washington und Moskau zu Ende. Die USA werfen dem 43-Jährigen vor, er habe Waffen an die kolumbianische Farc verkaufen wollen und sei in eine Verschwörung zum Mord an Amerikanern verwickelt.
Tatsächlich deutet alles darauf hin, dass But mit seiner Flotte von Transportflugzeugen in den vergangenen zwei Jahrzehnten Waffen an Kriegstreiber von den Taliban bis zum liberianischen Rebellenchef Charles Taylor geliefert hat. Russland hat ihn jedoch mit auffälliger Vehemenz verteidigt. So bot Moskau Thailand Lieferungen von Öl und Kampfjets zu Vorzugskonditionen an, sollten sie But in seine Heimat entlassen. Außenminister Lawrow versprach sogar sein persönliches Engagement. But sei lediglich ein erfolgreicher Unternehmer.
Einer von Buts Anwälten gebraucht dasselbe Argument. "Viktor But war kein Herr der Waffen, sondern höchstens der Transporteur", sagte Viktor Burobin der FTD. "Es ist aber egal, ob er Waffen transportiert hat oder Schokolade. Was zählt, ist, dass er mit Amerika nichts zu tun hat."
Das Argument sei nicht ganz von der Hand zu weisen, sagt auch Simone Wisotzki von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung. "Das ist ein russischer Staatsbürger. Damit steht er unter russischer Jurisdiktion und müsste in Russland vor Gericht gestellt werden." Zwar sei But ein Musterbeispiel eines nichtstaatlichen Waffenhändlers. Die internationalen Regeln zur Kontrolle des Waffenhandels würden jedoch alle beim Staat ansetzen. Für private Händler ergäben sich rechtliche Schlupflöcher - besonders in Russland, wo die Exportkontrollen nicht so lückenlos seien wie in den USA. "Deswegen finde ich das Vorgehen der USA etwas befremdlich."

Teil 2: "Russland ist ein stolzes Land"

  • FTD.de, 17.11.2010
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