Ein abgehörtes Telefonat sät neue Zweifel an den Aussagen von Francesco Schettino. Demnach verließ er das sinkende Schiff nicht unfreiwillig, sondern absichtlich. Bisher wurden drei deutsche Todesopfer identifiziert.
Die Rettungskräfte auf dem gekenterten Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" haben die Hoffnung, weitere Überlebende zu finden, aufgegeben. "Jemanden lebend zu finden, wäre ein Wunder", sagte der Leiter des Krisenstabes, Franco Gabrielli, am Mittwoch auf der toskanischen Insel Giglio. Unterdessen sorgte der schwer beschuldigte und unter Hausarrest stehende Kapitän des Unglücksschiffes, Francesco Schettino, für neue Schlagzeilen. Abgehörte Telefonate des 52-Jährigen nach der Havarie am 13. Januar mit Freunden scheinen Schettino zu belasten und seinen Aussagen im Verhör zu widersprechen.
Das mit 114.500 Tonnen bemessene Schiff war mit mehr als 4200 Menschen an Bord am vergangenen Freitagabend vor der Insel auf einen Felsen gelaufen und liegt seitdem teilweise überflutet auf einer Schiffseite auf Grund. Bei dem Unglück kamen mindestens 16 Menschen ums Leben. Mehr als 20 Personen, darunter mehrere Deutsche, werden vermisst. Als Schuldigen haben die italienischen Behörden den Kapitän identifiziert, gegen den Haftbefehl wegen fahrlässiger Tötung erlassen wurde.
Bergungsarbeiten
Die Taucher der "Concordia"
Obwohl das Schiff teilweise voll Wasser gelaufen ist, setzten die Rettungskräfte ihre Suche nach Überlebenden fort. Nach einer Unterbrechung wegen schlechten Wetters hatten sich Marine-Taucher am Morgen einen noch größeren Zugang zu dem dritten Deck des havarierten Schiffes freigesprengt.
Nach Angaben des Auswärtigen Amtes sind mittlerweile drei deutsche Todesopfer identifiziert. Die Zahl der vermissten Deutschen liege nun bei neun, sagte eine AA-Sprecherin am Mittwoch in Berlin. Zur genauen Herkunft der Opfer machte sie keine Angaben. Unter den drei Toten sei auch das bereits von den italienischen Behörden gemeldete deutsche Opfer. Die Rettungskräfte auf dem gekenterten Kreuzfahrtschiff "Costa Concordia" haben die Hoffnung, weitere Überlebende zu finden, aufgegeben.
Manager soll "Verbeugung" verlangt haben
Italienische Medien zitierten am Mittwoch aus Telefongesprächen des Kapitäns, die in einer Carabinieri-Kaserne von Orbetello abgehört wurden. Dort hatte sich Schettino nach der Havarie kurz aufgehalten.
"Als ich gesehen habe, dass sich das Schiff neigte, habe ich mich heruntergestürzt", zitierte ihn die Turiner "La Stampa". Damit verrate sich Schettino, schreibt das Blatt, weil er bei seiner offiziellen Vernehmung ausgesagt hatte, er sei zufälligerweise von dem Schiff in ein Rettungsboot gefallen.
Laut "La Repubblica" sagte Schettino am Telefon auch, das sogenannte Gruß-Manöver auf einer Route an die Insel Giglio heran habe ein "Manager" nachdrücklich von ihm verlangt. Unklar ist, um wen es sich handelt. Schettino hatte die Reederei Costa Crociere bereits vorher beschuldigt, ein riskantes Heranfahren aus Werbezwecken gefordert zu haben. Sein Anwalt hat inzwischen beantragt, den Hausarrest gegen seinen Mandanten aufzuheben. Das berichteten italienische Medien.
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