Die Außen- und Justizministerin von Liechtenstein, Aurelia Frick, hat bis Ende Dezember 2008 für eine Vertriebsgesellschaft des mutmaßlichen Anlagebetrügers Helmut Kiener gearbeitet. Ein liechtensteinischer Regierungssprecher bestätigte am Dienstag gegenüber FTD.de einen entsprechenden Bericht des "Handelsblatts". Als Mitglied des Board of Directors habe Frick auch den Jahresabschluss 2007 mitverantwortet. Sie sei jedoch niemals Gesellschafterin der K1 Fund Distribution Ltd. gewesen oder habe selbst Fonds vertrieben.
"Frau Frick sieht sich in diesem Fall als eine Geschädigte wie viele andere", sagte der Sprecher weiter. Die promovierte Juristin habe "nicht die Antworten zum Geschäftsmodell bekommen, die sie erfragt hat" und daraufhin ihr Mandat niedergelegt. Dass Fricks Tätigkeit für K1 nicht in ihrem offiziellen Lebenslauf erwähnt wird, liege daran, da sie als Treuhänderin "einer ganzen Reihe von Unternehmen" tätig gewesen sei. Nicht äußern wollte sich der Sprecher zu der Frage, ob Fricks Verbindung zu Kiener bei ihrem Amtsantritt im März 2009 der liechtensteinischen Regierung bekannt war.
Der Aschaffenburger Kiener sitzt seit Ende Oktober in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft Würzburg wirft dem studierten Psychologen Betrug und Untreue vor. Kiener soll mit seiner Firma K1 Global Sub Trust Anleger um bis zu 500 Mio. Euro geprellt haben. Er hatte damit geworben, die Gelder als Dachfondsmanager in bis zu 70 Einzelfonds zu investieren. Offenbar wurde jedoch ein großer Teil zweckentfremdet, unter anderem für den Kauf von Flugzeugen.
In Liechtenstein wird in der Kiener-Affäre inzwischen wegen des Verdachts der Geldwäsche ermittelt. Die liechtensteinische Staatsanwaltschaft Robert Wallner sagte dem "Handelsblatt", Aurelia Frick sei nicht unter den Verdächtigen. Unklar ist, ob gegen ihren Vater Anton Frick ermittelt wird. Er hatte ihr Amt bei der K1-Vertriebsgesellschaft übernommen.
In Deutschland hatte die Finanzaufsicht BaFin Kiener bereits 2001 die Portfolioverwaltung untersagt und Zweifel angemeldet, dass dieser überhaupt Geld anlegte. Dennoch konnte Kiener in den folgenden Jahren zahlreiche Geschäftpartner gewinnen. Auch die britische Großbank Barclays emittierte 2005 zwei Zertifikate auf Kieners "semi-automatisches Allokationssystem".
Mit diesen Zertifikaten machte auch eine Liechtensteiner Bank Geschäfte. Laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" investierte die VP Bank 2007 rund 65.000 Euro eines Rentners in das X1-Global-Zertifikat - obwohl der 70-Jährige bei der Beratung eine "konservative Anlagestrategie" ausgewählt hatte. Zudem verkaufte der liechtensteinische Lebensversicherer Vienna Life Policen auf K1-Produkte. Anlegeranwälte prüfen, ob sie gegen Vienna Life und Barclays Schadensersatzansprüche geltend machen.