Atmosphäre und Ozeane - um die vielleicht wichtigsten globalen Gemeinschaftsgüter zu nennen - werden heute als kostenlose Mülldeponie für Treibhausgase genutzt. Die Wälder als CO2-Senke geraten durch steigende Nahrungsmittelpreise unter Druck und werden abgeholzt. Durch unbeschränkten Zugang werden diese Deponien überstrapaziert, und es kommt zu gefährlichem Klimawandel, der die Grundlagen unseres Lebens und Wirtschaftens bedroht. Die Klimakonferenz von Durban ist ein weiterer Versuch, hier eine Grenze einzuziehen. Er wird misslingen.
Das Klimaproblem zeigt die Herausforderungen einer nachhaltigen Nutzung globaler Gemeinschaftsgüter wie unter einem Brennglas. Um das Zwei-Grad-Ziel mit mittlerer Wahrscheinlichkeit zu erreichen, dürften nur noch etwa 750 Milliarden Tonnen Kohlendioxid in der Atmosphäre deponiert werden. Auch ein weniger ehrgeiziges Ziel erlaubt nur wenige Hundert Milliarden Tonnen zusätzlich. Bei 33 Milliarden Tonnen globaler CO2-Emissionen im Jahr 2010 - Tendenz steigend - lässt sich leicht ausrechnen, dass die Deponie in wenigen Dekaden voll ist. Was bedeutet: Die Weltwirtschaft muss in wenigen Jahrzehnten vollständig dekarbonisiert sein.
Manche Beobachter hoffen, Klimaschutz könnte automatisch aus Marktmechanismen resultieren. Die begrenzten Vorräte von Kohle, Öl und Gas würden zu steigenden Rohstoffpreisen führen, die den raschen Umstieg auf erneuerbare Energien und Energieeffizienz erzwingen. Das ist jedoch eine Illusion. Es lagern noch 12.000 Milliarden Tonnen Kohlenstoff im Boden, besonders in Form von Kohle, die relativ günstig zu Treibstoffen verflüssigt werden kann. Eine andere Hoffnung ist, dass die erneuerbaren Energien rasch billiger werden als Kohle, Gas und Öl. Zwar hat es hier in den letzten Jahren deutliche Kostenreduktionen gegeben. Derzeit macht ihr Anteil am globalen Primärenergieverbrauch aber nur zwölf Prozent aus. Zweifellos werden die Preise für fossile Energieträger irgendwann steigen und die Kosten für erneuerbare fallen. Die Frage ist nur: Kommt dieser Strukturwandel schnell genug? Die Antwort nahezu aller Szenarienrechnungen lautet: Nein.
Es führt also kein Weg daran vorbei: Die Nutzung fossiler Energieträger muss global gedeckelt werden. Das aber führt zu Verteilungskonflikten. Wenn ein Großteil ihrer Ressourcen im Boden bleiben muss, kommt Klimapolitik für die Besitzer von Kohle, Öl und Gas einer Entwertung ihres Vermögens gleich. Außerdem müssen die knappen Nutzungsrechte zwischen Afrika, China, den USA und anderen Weltregionen fair verteilt werden. Auch ist zu klären, wie viele Rechte kommenden Generationen zugestanden werden. Angesichts all dieser Schwierigkeiten ist es erstaunlich, dass überhaupt noch international um ein Abkommen gerungen wird.