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Merken   Drucken   16.08.2004, 19:23 Schriftgröße: AAA

Hugo Chávez: Präsident mit sieben Leben

Schon mehrfach war der Linkspopulist Hugo Chávez politisch totgesagt. Doch er stand immer wieder auf. Auch das Referendum zu seiner Ablösung überstand der umstrittene Präsident des südamerikanischen Ölstaates mit einem klaren Sieg. von Karin Finkenzeller
Hugo Chavez, Präsident Venezuelas   Hugo Chavez, Präsident Venezuelas
"Der Mann ist wie eine Katze mit sieben Leben", stöhnen Kritiker des venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez. Der Vergleich drängt sich auf, nachdem der 50-Jährige seinen Gegnern bei der Volksabstimmung am Sonntag erneut gezeigt hat, dass noch längst nicht politisch tot ist, wer in der Gunst vieler tief gefallen ist.
Wenn das mit der katzenartigen Überlebenskunst stimmt, müssen sich Chávez’ Gegner noch eine Weile gedulden. Von den sieben Leben hat er nämlich erst drei verbraucht. Das erste war 1992 fällig: Da zettelte der Fallschirmjägeroffizier einen Putsch gegen den amtierenden Präsidenten Carlos Pérez an. Aber der Versuch, Pérez mit ein paar Panzern aus dem Regierungspalast Miraflores zu jagen, scheiterte kläglich. Chávez wurde verurteilt.
Sturm auf Miraflores
Doch nach zwei Jahren war der Sohn eines Dorfschullehrers, der ursprünglich Priester, dann Baseballspieler werden wollte und sich schließlich für den südamerikanischen Freiheitskämpfer Simón Bolívar begeisterte, wieder da: Chávez wurde begnadigt und setzte erneut zum Sturm auf Miraflores an. Diesmal unter demokratischen Vorzeichen. Im Dezember 1998 gewann der Mann, der seine politischen Ideen schon mal in Gedichtform aufsagt, die Präsidentschaftswahl. Ausschlaggebend war sein Versprechen, die "verfaulte Elite" des Landes zu bekämpfen und Korruption und Vetternwirtschaft den Garaus zu machen. Er wollte eine "Revolution der Armen" anführen, die vom Ölreichtum Venezuelas ausgeschlossen waren. Dazu ließ sich Chávez vom Volk eine neue Verfassung mit diktatorischen Vollmachten absegnen.
Einmal mit so viel Macht ausgestattet, vergaß der Mann mit dem roten Barett, das er zum Zeichen seiner Bolivarischen Bewegung gemacht hat, seine einstigen Vorbilder Gerhard Schröder und Tony Blair und ersetzte sie durch Kubas Diktator Fidel Castro, mit dem er eng befreundet ist: Chávez schaltete die Gewerkschaften aus, zensierte die Medien und hievte seine Leute an die Schaltstellen von Wirtschaft und Politik. Die staatliche Ölgesellschaft PVDSA steht völlig unter seinem Einfluss.
"Es gibt kein Zurück"
Im April 2002 löste er mit seiner Politik, die die Krise des Landes verschärfte, blutige Unruhen und einer Rebellion der Streitkräfte aus. Mindestens 19 Demonstranten starben. Chávez trat zurück.
Aber schon zwei Tage später zog der fünffache Vater wieder in den Präsidentenpalast ein. Seitdem rissen die Proteste nicht mehr ab. Um ihn zum Rücktritt zu zwingen, sammelte die Opposition trotz Schikanen der Behörden Unterschriften für ein Referendum. Nach langem Widerstreben stimmte Chávez der Abstimmung zu - und gewann. Am Montag begann er sein Leben Nummer vier mit dem Satz: "Es gibt kein Zurück."
  • FTD, 16.08.2004
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