Sturm auf MirafloresDoch nach zwei Jahren war der Sohn eines Dorfschullehrers, der ursprünglich Priester, dann Baseballspieler werden wollte und sich schließlich für den südamerikanischen Freiheitskämpfer Simón Bolívar begeisterte, wieder da: Chávez wurde begnadigt und setzte erneut zum Sturm auf Miraflores an. Diesmal unter demokratischen Vorzeichen. Im Dezember 1998 gewann der Mann, der seine politischen Ideen schon mal in Gedichtform aufsagt, die Präsidentschaftswahl. Ausschlaggebend war sein Versprechen, die "verfaulte Elite" des Landes zu bekämpfen und Korruption und Vetternwirtschaft den Garaus zu machen. Er wollte eine "Revolution der Armen" anführen, die vom Ölreichtum Venezuelas ausgeschlossen waren. Dazu ließ sich Chávez vom Volk eine neue Verfassung mit diktatorischen Vollmachten absegnen.
Einmal mit so viel Macht ausgestattet, vergaß der Mann mit dem roten Barett, das er zum Zeichen seiner Bolivarischen Bewegung gemacht hat, seine einstigen Vorbilder Gerhard Schröder und Tony Blair und ersetzte sie durch Kubas Diktator Fidel Castro, mit dem er eng befreundet ist: Chávez schaltete die Gewerkschaften aus, zensierte die Medien und hievte seine Leute an die Schaltstellen von Wirtschaft und Politik. Die staatliche Ölgesellschaft PVDSA steht völlig unter seinem Einfluss.